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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 106

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 106 (sequence 26)
Language
German
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106 H. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, lichkeit dauernd bestrahlen, Wenn wir auch und gerade weil wir nicht auf jede ihrer zeitlichen Darstellungsformen schwören. Um so erfreulicher ist es nun, daß neuerdings eine Schrift, ähnlichen Inhalts und gleicher Tendenz von einem Manne erschienen ist, der als selbstständiger Forscher auf diesem Gebiete mit vollem Rechte rasch eine bedeutende Stellung gewonnen, dessen Vielseitigkeit und Gründlichkeit, verbunden mit der frischesten Unbefangenheit, seinen Untersuchungen und Ergebnissen die allseitigste Aufmerksamkeit und Beachtung erweckt. Theodor Nöldeke, Professor in Kiel, hat in wissenschaftlichem Ernste und Tapferkeit der Gesinnung das semitische Gebiet bereits fruchtbar angebaut und fußend auf älteren Ergebnissen weiß er doch die breitgetretenen Geleise zu verlassen, sowie zu kühn gehauenen Pfaden auszuweichen, sobald sein klarer Blick den richtigen Zweifel erkennt, ob sie auch wirklich zu dem einzig erstrebenswerthen Ziele, zu dem der vollen ungetrübten Wahrheit hinführen. So hat er die biblischen Studien aufgenommen und fortgeführt und deren Ergebnisse ohne alle Uebertünchung und ohne jeden künstlichen und verhüllenden Compromiß mit herkömmlichen Auffassungen, klar und bündig dargelegt. Er scheut nicht, an feststehenden Ansichten zu rütteln in etwaiger banger Besorgniß, damit die Säulen sittlich-religiösen Lebens zu erschüttern; sein muthiges frohes Vertrauen zur Wahrheit, als der einzigen Quelle ächten Geisteslebens, ist zu fest, als daß er solcher bleichen Furcht Raum geben könnte. Am gitte seines Weges schaut er zurück und siehe da! gerade aus den mannichsachen Trümmern, die er um sich zu häufen nicht gezagt, oder vielmehr aus dem geebneten Boden, der von seinen Schlingpflanzen befreit und nun frisch in seinen Tiefen angebaut worden, erblüht neues fruchtbares Leben. Nicht im zweifelhaften Helldunkel der Sage, nicht im schwächlichen Scheine zagen Glaubens, sondern im ungetrübten Glanze lebenskräftiger Gesinnung, in der Kraft erkenntnißreiner Ueberzeugung gewinnt die biblische Ueberlieferung an edlem Gehalte, an Blüthenduft erhabener Dichtung, an fortdauernder befruchtender Triebkraft erhebender Anschauung. In diesem Geiste ist Nöldeke's Buch: Die alttestamentliche Literatur in einer Reihe von Aufsätzen dargestellt (Leipzig 1868. VIII und 270 S.) bearbeitet. Gleich dem Buche von Hausrath ist es nicht als ein Ganzes entworfen und ausgeführt, sondern es sind einzelne Theile allmälig früher in Zeitschriften erschienen

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