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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 105

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 105 (sequence 25)
Language
German
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namentlich ihres historischen TheiLes. 105 Familien einzudringen, es ist ein schönes Hülfsmittel, aufgeklärte Anschauung mit Ehrerbietung vor dem unvergänglichen Weltbuche in Einklang zu setzen. Der unberechtigte Zwiespalt zwischen Bildung und Anerkennung der Bibel muß aufhören. Solange diese freilich den Anspruch erhebt, daß ihr eine wunderbare Entstehung zuerkannt und deshalb göttliche Verehrung erwiesen werde, daß sie nicht denkend geprüft, sondern daß ein jedes ihrer Worte, eine jede ihrer zeitlichen Formen und Darstellungsweisen gläubig als unwandelbare Wahrheit, als unverbrüchlich bindende Vorschrift ausgenommen werde; solange sie uns fremd bleibt, indem sie uns in eine unserm ganzen Denken ungleichartige geistige Welt versetzt und dennoch von uns verlangt, daß wir nicht blos alles uns seltsam und nur kindlichen Vorstellungen entsprechend Erscheinende als in voller Wirklichkeit geschehen annehmen, sondern auch unsere gegenwärtige nothwendig fortgeschrittene Einsicht unter die damaligen Vorstellungen, selbst wenn sie im Zwielichte der Dichtung auftreten, beugen, uns in unserm ganzen Leben von dem Glauben an jeden Bericht und seine frühere Auffassung, an jede dem Alterthume und den damaligen Verhältnissen entsprießende und entsprechende Vorschrift leiten lassen: so lange muß der Zwiespalt ein unlöslicher bleiben, und in diesem Widerstreite muß die Bibel den Kürzeren ziehen. Die Einsichten und Anforderungen der Zeit lassen sich nun einmal nicht bewältigen und würden daher alle Ehrfurcht vor der Bibel, trotz einer zweitausendjährigen Gewohnheit, trotz den mächtigen Bundesgenossen, die unter ihrer Fahne kämpfen, gänzlich beseitigen und eine entschieden feindselige Stellung gegen sie einnehmen. Und auch die Bildung unserer Zeit würde sich damit einen frischsprudelnden Quell verstopfen, aus dem sie heilkräftige Nahrung zu schöpfen vermag; denn bei aller zeitlichen Gestalt, in der sie uns, wie jedes menschliche Werk, entgegentreten muß, trägt sie ein Ewiges, eine fortwirkende göttliche Urkraft in sich. Lernen wir sie aber als ein Denkmal des altjüdischen Geistes, als ein geniales Product des Volkes betrachten, das berufen war und ist, die ewigen Religionsideen,»die Ahnungen des Höhern, der geistigen unsichtbaren Welt in dem menschlichen Geiste und Herzen zu Wecken, sie zeitgemäß in die Menschheit veredelnd einzuführen, aber auch dann als der frische Quell sie immer zu beleben, wenn selbst die Erkenntniß zum breiten mächtigen Strome mit seinen großen Nebenflüssen allseitiger Bildung angewachsen ist: dann wird sie uns in ihrer Herr-

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