Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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104 II Kritische Behandlung der biblischen Schriften, Aufzeichnungen betrachtet, die den besondern Einfluß der Gottesführung in jedem einzelnen Ereignisse hervorheben, also vom theokratischen Gesichtspunkte geleitet sind; es muß demnach das Wunderbare und Sagenhafte abgezogen werden und der sichere Rest der alten Geschichte bleibt dann ziemlich kärglich. Die nähere Erkenntniß der veranlassenden Gesinnung beleuchtet blosdie specielle Wendung, welche die Ereignisse in der Darstellung gewinnen, sie ist daher mehr ein wissenschaftliches Erforderniß zur richtigern Erklärung der Quellen, zum Verständnisse eben jener eigenthümlichen Färbung, aber die objectiven Thatsachen, insoweit sie berichtet sind, nicht insofern sie erschlossen werden, werden dadurch nicht bereichert. Die neueren populären, d. h. für gebildete Leser im Allgemeinen berechneten Darstellungen der biblischen Literatur und Geschichte stellen die Ergebnisse daher in einer im Ganzen befriedigenden Weise zusammen. Wir haben zwei solche Darstellungen, die sich fast im Titel gleichen, dennoch in der Behandlung von einander abweichen. Die ältere, wie es scheint, weniger beachtet als sie es verdient, ist von A. Hausrath: Geschichte der alttestamentlichen Literatur in Aufsätzen (Heidelberg 1864. 130 S.). Mit der durchsichtigen Klarheit, welche H's. Darstellungen überhaupt so werthvoll macht, wird uns hier der Inhalt sämmtlicher biblischen Bücher vorgeführt nach den Resultaten der Kritik, die sich namentlich, da der Verf. nicht selbstständig die Forschungen angestellt, an Hitzig lehnt, und so lesen wir denn auch von Psalmen aus der spätern Makkabäerzeit, aus der Jonathan's und Alexander Jannai's. (S. 126). Aber auch der kühne Freisinn Hitzig's spiegelt sich überall wieder. Freilich ist das Urtheil, wenn auch nicht zu Gunsten befangen, manchmal nach der andern Seite hin ungerecht. Die Geschichte der Erzväter wird z. B. mit der richtigen Bemerkung eingeleitet: ״Die geheimen Gedanken eines Volkes offenbaren sich am deutlichsten in der Art, wie sie ihre Stammherrn ausmalen." Wenn dann der Vers, meint, in Abraham sei ״der jüdische Handelsgeist" ausgeprägt, ״mit dem er um Sodom feilscht und Gott von fünfzig Gerechten auf.zehn herunterbietet" (S. 11), so ist doch dies eine Auffassung, die nur das Vorurtheil eingeben kann. Das Büchlein war so anspruchslos und bescheiden aufgetreten, daß es Wohl blos in einem sehr engen räumlichen Kreise Verbreiung gefunden und dennoch verdient es weithin in alle gebildeten