Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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102 II. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, zündende Wort nach allen Gegenden hin entsenden konnten. Mit dem Hofe wegen ihres Freimuthes zerfallen, mußten sie kämpfend durch das Land ziehen; mit ihrer ganzen Persönlichkeit für ihre Lehre eintretend, mußten sie mehr durch strengen Wandel, durch Strafe und Drohung, durch Wunder und außerordentliche Thaten wirken als durch das belehrende oder gar schriftliche Wort. Elias und Elisa sind die ächten Prophetenbilder Israels; nur wenige Reste prophetischer Reden sind uns in Hosea und Amos geblieben. Fruchtbarer und lehrhafter war die historische und gesetzliche Literatur, wie sie von den Priestern ausging und uns die damaligen Zeiten und Anschauungen klar abspiegelt. Ihnen gehört offenbar die Grundlage der vier ersten Bücher des Pentateuchs, Einzelnes aus Josua, der Grundstock der Richter, der Bücher Samuels und der Könige an. In der älteren Geschichte, die dieser Theil des Pentateuchs enthält, tritt neben dem Gesetzlichen das Interesse an dem Nachweise des Rechtes auf das eingenommene Land, die Bedeutung Josephs und seines Gebietes, die Verdrängung der alten Stämme Rüben, Simeon und Levi, welcher letztere zwar auch nun den Priesterdienst versah, aber doch nur theilweise, während er zum Theile den niedrigen Diensten sich bequemen sollte, seine Anmaßung, in seiner Gesammtheit priesterlich aufzutreten, abgewiesen und gegeißelt wird. Wenn dieser Urbestandtheil als efraimitisch-israelitisch bezeichnet wird, so darf nicht etwa die völlige Verdrängung Juda's darin erwartet werden; dessen Selbstständigkeit und Geltung konnte nicht angetastet, seine Bedeutung nicht bemäkelt, auch ihm mußte, wenn auch in isollrter Haltung, seine Anerkennung gezollt werden. Inwieweit neben diesem israelitisch-efraimitischen Urbestandtheile auch gleichzeitige judäische Aufzeichnungen einhergehen, dürfte sich schwer bestimmen lassen. Entschieden judäische Tendenz tritt für die alte Geschichte durchaus nicht hervor; erst für die Zeit, mit welcher die Stammväter der später alleinherrschenden judäischen Dynastie auftraten und denen man in Juda eine überwiegende Stellung für das ganze Israel zuschrieb, also mit der Zeit Davld's und Salomo's begegnen wir einer ganz selbstständigen Geschichtsdarstellung von ihrem Standpunkte aus. Allein diese gehört Wohl auch jener spätern Zeit an, in welcher bereits Juda allein auf dem Schauplatze geblieben und seine Eigenthümlichkeit mit einer Entschiedenheit durcharbeitete, daß sie dann das Leben wie die Literatur beherrschte.