Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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namentlich ihres historischen Theiles. 101 galten blos für diesen geheiligten Boden. Moses stirbt daselbst, aber man kennt sein Grab nicht; das rubenitisch-ostjordanische Wirken hat sich tief eingeprägt in die Geschichte der spätern Zeit, aber es selbst ist bis auf die letzte Spur abgestorben, verschwunden. So mögen auch einzelne Reste der Literatur aus jener Zeit in der uns vorliegenden verborgen sein, aber jedenfalls so umgearbeitet, daß sie kaum wieder erkenntlich sind. Am Allerersten dürfte von dem — verkürzten — Dekaloge angenommen werden, daß er ein altes Erbgut aus jener Zeit sei. Soweit aber die Literatur uns vorliegt, treten zunächst die Tendenzen der efraimitischen Besitzergreifung des Westjordanlandes uns entgegen. Auf diesem Boden wandeln bereits die Erzväter und er wird ihnen als Besitz der Nachkommen verheißen, dort siedeln sie sich durch Kauf und Eroberung an, und so tritt das Recht hinzu zum Waffensiege. Dort sind von jeher die geheiligten Stätten, wo Denksäulen und Altäre errichtet werden, und an die fromme That der Väter knüpft sich die Verehrung der Kinder. Mit Entschiedenheit aber wird der Vorzug der alten Stämme bekämpft. Rüben erscheint als anmaßender Schwächling, Simeon und Levi als wilde unbesonnene Stürmer, die schon frühzeitig den Besitz ergreifen wollen, aber durch ihren Ungestüm mehr verderben als nützen. Nur Juda in seiner stolzen Haltung verdient Aus- Zeichnung, aber er ist sich selbst genug, schützt Wohl die Gefährdeten, geht jedoch sonst seine Wege für sich. Anders Joseph, zwar der jüngere Stamm, der Sohn des später geehelichten, wenn auch geliebteren und schon zuerst begehrten Weibes, befehdet und schwer geprüft, aber siegreich sich erhebend und mit edelstem Sinn, den feindlichen Brüdern keinen Groll nachtragend, vielmehr Erhalter der Gesammtheit, Schirmherr zur Zeit der Noth. So tritt er in strahlender Liebenswürdigkeit vor uns, und seine Nachkommen sind in gleicher Weise die berechtigten Herren. Gehört ja Josua, der Nachfolger Moses, der Anführer bei der Eroberung des Landes, diesem Stamme an! Von dem efraimitischen Gesichtspunkte aus gehen die ersten Literaturprodukte aus. Bei dem Fehlen eines Herrschenden Mittelpunktes galten die einzelnen alten Festorte, ja auch die häuslichen Opferstätten, und ein gemeinsamer kräftiger religiöser Sinn konnte sich nicht erheben. Die Opferer, die Priester waren gesucht und standen in Ansehen; die Lehrer, die Verkünder des Gotteswortes, hatten keine Hauptstadt, von welcher aus sie das