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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 100

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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100 II. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, Leistungen geworden, so emsig bereits während derselben an der Umformung der älteren Denkmale gearbeitet wurde: so blieb doch noch von ihnen ein guter Theil übrig, wenn auch zurückgedrängt, umsomehr als doch auch ein Rest des alten Jsraelreiches mit seiner ursprünglichen. Bevölkerung, wenn auch in Verwilderung, zurückblieb, die von Juda nicht unterworfen wurde. Juda's Literatur blieb zwar auch dann die herrschende, als es nach seiner Zerstörung wieder hergestellt wurde, doch war der schöpferische Trieb gewichen, man hielt sich an das Vorliegende, und nun lag auch der, wenn auch zurückgedrängte Ueberrest aus der israelitischen Literatur vor. Soweit man den Widerspruch zwischen diesen beiden ungleichartigen Bestandtheilen fühlte, mußte eine Ausgleichung vollzogen werden, ja auch die neuen Verhältnisse, welche sich nun gestalteten, verlangten ihren ergänzenden und berichtigenden Ausdruck in den alten Werken, und der nüchterne kleinliche Sinn, der sich nun an diese aus vollem Geistesleben hervorgegangenen Werke knüpfte, glaubte allerhand Aenderungen, weitere Ausführungen vornehmen zu müssen nach der kühlen Pedanterie, welche immer in solcher ermattenden Zeit sich den Erzeugnissen des genialen Dranges anhängt. Das ist dann die Arbeit einer Schlußredaction, die kleinlich nach ihrem dürftigen Maßstabe die Werke in die ihr gemäße Form bringt. In dieser Gestalt liegt uns die alte Literatur vor, und die Aufgabe einer gesunden Kritik ist es, das so Zusammengewachsene in seine einzelnen Bestandtheile aufzulösen, den Stamm von seinen Anwüchsen abzuschälen. Von einer Ostjordan - oder hebräischen Literatur dürften wir ebensowenig Ueberreste haben, wie sie von der Bevölkerung geblieben sind. Die Geschichte berichtet blos von den Ursprüngen, welche das Volk dort gewonnen. Dort weilte es lang unstät umherschweifend und dann zum Theile seßhaft, aber der ganze Besitz galt nicht als der verheißene, sondern blos als durch die Nothwendigkeit des Kampfes errungen, das Land war kein heiliges, keine Cultusstätte wird als zu irgend einer Zeit bedeutungsvoll geschildert, die dortigen Altäre sollen höchstens Documente der Zusammengehörigkeit mit Israel sein, nicht berechtigte Opferstätten. Moses lehrte daselbst, und so ist der Grund der religiösen Entwickelung dort gelegt, und der spätem Anschauung nach mußte der Anfang bereits auch die Vollendung in sich enthalten, aber er lehrte beständig für die Zukunft, für die Zeit, da Israel in sein westjordanisches Land eingezogen sei, seine Vorschriften

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