Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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namentlich ihres historischen Theiles. 99 Schon Rüben hatte Wohl sicher die israelitische religiöse Eigenthümlichkeit in ihren ersten Anfängen dargestellt, aber doch Wohl noch vielfach gemischt mit den Vorstellungen der es umgebenden Völker. Die Energie, welche im Westjordangebiete entfaltet wurde, um sich in den alleinigen Besitz des ganzen Landes zu setzen, ließ schon in Efraim diese Eigenthümlichkeit und die Lossagung von allem Einflüsse der umgebenden heidnischen Völker zu vollerem Bewußtsein und Ausdruck gelangen. Allein noch war das Band zwischen den einzelnen Stämmen, trotz der Hegemonie Efraims, locker, dessen heiterer Weltsinn für die Eindrücke der sinnlichen Natur und des herrschenden Gepränges zu empfänglich, als daß eine vollständige consequente Durchführung des israelitischen Princips möglich gewesen wäre. — Weit mehr gelang dies Juda, welches in sich zurückgezogen, durchseine Lage mehr abgeschlossen, mehr innerlich und in straffer Vereinigung lebte, so seine Anschauung auch nach dieser Richtung hin strenger ausbildete, und als es allein noch als selbstständiges Reich übrig blieb, seine Anschauungen auch auf die Ueberreste ves zerstörten Reiches, die sich ihm anschlossen, übertrug. Diese geschichtliche Umgestaltung bildete eine Reihe innerer Kämpfe, von der uns wenig mitgetheilt wird, die sich aber aus der Oberfläche des uns Erzählten, wenn wir tiefer hinabsteigen, dem Forscherblicke mit Nothwendigkeit ergeben muß. Haben wir die Geschichte des hebräisch-israelitisch-jüdischen Volkes in ihrer äußeren und inneren Entwickelung richtig erfaßt, so muß sie sich auch in seiner Literatur klar abspiegeln und diese aus ihr ihre volle Erklärung finden. Festhalten müssen wir vor Allem bei deren Beurtheilung, daß Juda zuletzt allein auf dem Boden selbstständig bleibt und seinen herrschenden Einfluß wie den Zuständen so auch dem Schriftthume aufprägt. Wie die alten Stämme verdrängt, das alte Reich aufgelöst und aufgesogen worden, so wird auch die alte Literatur, insofern eine solche vorhanden, mit ihren den alten Erfordernissen entsprechenden Tendenzen entweder ganz verdrängt und uns entzogen oder sie wird nach den neuen Anschauungen völlig umgestaltet. Sicher wäre sie gänzlich vernichtet worden, wie ihr theilweise gewiß dieses Loos nicht erspart worden, wenn Juda länger und nicht beunruhigt sein Werk der Neugestaltung, auszuführen Zeit gehabt hätte. Allein diese Zeit war ihm nicht gegönnt, und so fruchtbar auch die ihm verstattete kurze Alleinherrschaft in großartigen selbstständigen schriftstellerischen 7*