Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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98 II. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, schwere Kämpfe zu führen, umsomehr als es als Eindringling betrachtet wurde, der die Urbewohner verdrängte; mühsam versuchte es eine Abwehr gegen die mächtigen Staaten, die von Zeit zu Zeit große Weltreiche bildeten, alle die kleinen in ihrem Bereiche liegenden Völker niederwarfen und aufzehrten. Wenn ihm dafür trotz seiner geringen Macht die zähe Ausdauer helfend zur Seite stand, die seine vollkommene geistige Eigenartigkeit, die dadurch verhütete Möglichkeit einer raschen Vermischung mit andern Völkern ihm verlieh: so lag auch hier wieder ein mächtiger geistiger Kampf vor, den es gegenüber einer herrschenden heidnischen Welt mit allem Aufgebote der herzlichsten Hingebung, mit allem Schwünge glühendster Begeisterung für die eigene Ueberzeugung und mit aller Entrüstung und Geringschätzung gegen den fremden Jrrthum, gegen die tiefe Unsittlichkeit, die es darin erblickte, zu führen hatte. Das waren gewaltige Mächte, die die ganze Weltanschauung des jüdischen Volkes beherrschten und alle geschichtlichen Ereignisse von diesem für uns engen, für jene aber allein berechtigten Gesichts- Punkte betrachten ließen. Aber auch innerhalb des Volkes wirkte die geschichtliche Entwickelung vielfach umgestaltend sowohl in den bürgerlichen als auch in den religiösen Verhältnissen. Das Ostjordanland war der erste feste Besitz, welchen einzelne Stämme, ihre nomadische Gewohnheit aufgebend, sich erwarben; sie errangen sich dadurch eine höhere Geltung. Rüben mit einigen andern kleinen Stämmen oder Stammestheilen, welche sich ihm anschlossen, wurde seßhaft und galt als der bevorzugte. Allein bald drangen andere Stämme weiter vor; nach verunglückten Versuchen, die, wie es scheint, von Simeon, der etwa auch begleitet war von lehrenden Priestern, unternommen waren, gelang es Efraim und Juda, zunächst mit Anstrengung sich im Westjordanlande zu behaupten, die andern Stämme schlossen sich ihnen an, und nach langen Kämpfen gegen die Eingeborenen befestigten sie daselbst ihre Macht, Efraim, im Besitze fruchtbarer Gegenden, mit frischem poetischem Natursinn begabt, galt als der Führer der Gesammtheit, die Ostjordanbewohner traten in den Hintergrund, die Stämme, welche sich früher Hervorthun wollten, aber dabei verunglückten, wurden zürückgedrängt, und nur Juda, das in seinen Bergen seiner alten Bedeu- Lung sich bewußt, nicht dem Heerbanne Esrairn's folgen wollte, hielt schmollend sich zurück. Allmälig aber sank auch Efraim, und Juda blieb allein auf dem Schauplatze.