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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 97

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 97 (sequence 17)
Language
German
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namentlich ihres historischen Theiles. 97 ganzen Richtung, die er vertrat, die ganze alte Zeit in dem Lichte der in der Gegenwart oder in seiner Partei lebendigen Ueberzeugung, konnte er sich gar nicht anders denken, als daß dieselben sich so zugetragen haben, wie sie seine Richtung zu begünstigen dann geeignet gewesen, und nahm keinen Anstand, sie auch so darzustellen. Wenn diese Betrachtung uns in unserm Urtheile leiten muß, um zu bestintmen, wie viel wir aus den Geschichtswerken des Alterthums als objektive geschichtliche Thatsache mit Vertrauen anerkennen dürfen, wie viel wir der subjektiven Stimmung des Schriftstellers und seiner Zeit, dem unbewußt, aber aus innerstem Drange gestaltenden Triebe der Sage zuzuschreiben haben; wenn wir diesen Maßstab selbst bei den Werken der Griechen nicht aus der Hand legen dürfen, obgleich wir bei ihnen ein rein wissenschaftliches Verlangen, ein Streben sich über fremde und vergangene Verhältnisse zu unterrichten und die gewonnene Erkenntniß weiter zu verbreiten, weit eher voraussetzen dürfen: so würden wir uns selbst gewaltsam die richtige Einsicht in den Verlauf der jüdischen Geschichte verschließen, wenn wir die uns überkommenen hebräischen Geschichts- Werke nicht mit diesem prüfenden Blicke betrachten, deren Inhalt vielmehr als einen kindlichen treuen Bericht über die Ereignisse der Vorzeit aufnehmen wollten, in den sich zwar hie und da ein sagen- Hafter Bestandtheil eingcschlichen, der aber keine andere Absicht hat, als eine harmlose Erzählung von den Thaten und den Schicksalen der Vorfahren zu geben. Wie jedoch der Prophet mit dem glühenden Herzen für das Heil des Volkes, für dessen Selbstständigkeit nach Außen und dessen Reinheit nach Innen dasselbe durch das kühne Wort zu begeistern suchte zu muthigem Kämpfen und Dulden, sein inneres Bewußtsein erhöhte durch die Vorführung seines leuchtenden Berufes, er auch gern einzelne Momente aus der Geschichte der Vorzeit, wie sie vom Munde des Volks erzählt wurden, herbeizog, um seinen Worten größeren Nachdruck zu geben: so ging der Geschichtschreiber, wenn auch mit geringerem Schwünge, mit nüchternerem Nachdenken und sorgfältigerer Anordnung, bei seiner Beschreibung von denselben Antrieben aus, und sie sind es zunächst, die erkannt werden müssen, bevor wir uns mit Sicherheit bei dem übrigbleibenden wirklichen geschichtlichen Thatbestande beruhigen dürfen. Das hebräische, dann israelitische, dann judäische oder jüdische Volk hatte während der ganzen Zeit seines politischen Daseins mit den Nachbarvölkern um den Besitz des Bodens, den es inne hatte, VierteljahreSschrist VII. 2. 7

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