Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 H. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, zu schließen. Es ist demnach wie in vielen anderen Fällen so auch hier ein heidnischer Aberglaube mit Hülfe religionsgesetzlicher Autorität sanctionirt worden. Wäre es nicht an der Zeit, sich dieses römischen Erbes zu entäußern? Darmstadt im Januar 1869. II. Kritische Behandlung -er biblischen Schriften, namentlich ihres historischen Theiles. Der unbefangene historische Sinn für Betrachtung der hebräischen Quellen ist noch nicht genügend geweckt; das Urtheil wird zumeist von feststehenden Voraussetzungen beherrscht. In Betreff der Geschichtschreiber anderer alten Völker gelangt man immer mehr zur Erkenntniß, daß sie nicht etwa einem wissenschaftlichen Triebe folgend, im Interesse einer objectiven Geschichtsforschung ihre Mittheilungen für die Zeitgenossen und die Nachwelt niederschrieben, sondern daß sie einem nationalen Verlangen, gewissen herrschenden Ansprüchen ihrer Zeit damit dienen wollten. Wie der Krieger in den Kampf zog, um mit der Waffe die Uebermacht seines Volkes, seines Stammes über andere zu erringen, und dessen Recht auf seine Kraft stützte; wie der Priester in seinen Orakeln, der Staatsmann in feurigen Reden das Volk für Ansichten zu gewinnen suchte, die im Leben ihre Bethätigung finden sollten: so führte der Geschichtschreiber die Ereignisse der Vorzeit vor, um dem Volke gegenüber seinen Nebenbuhlern seine Ansprüche als wohlbegründet aus denselben nachzuweisen, seinen Muth anzufachen, um altes Recht zu schützen, Institute und innere Anordnungen, welche die Zeit oder ein andringender Theil verlangte, als aus alter Zeit hersiammend, in ihrer gesetzlichen Berechtigung zu begründen; er wählte daher nur die Ereignisse aus, welche seinem Zwecke dienten, mochten sie auch sonst im Gange der Geschichte von geringem maßgebendem Einflüsse, wenig zuverlässig bezeugt sein und nur der Sage ihre Entstehung verdanken, und er überging das geschichtlich Bedeutungsvollste, wenn es seinem Zwecke keine Förderung versprach, ignorirte umsomehr das seinen Zwecken Widerstrebende. Beherrscht von den Beweggründen, die ihn leiteten, betrachtete er als Ausdruck der