Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 1• Unterlassung der Trauung zwischen Peßach u. Schabuoth Diese abergläubische Vorstellung und der in deren Folge eingeführte Brauch gingen indessen von den Römern auch auf andere Völker über. Ihnen begegnen wir noch im 17. Jahrhundert bei den Franzosen; der ersteren, der Vorstellung, freilich schon in modificirter Weise d. h. ohne die heidnische Anschauung, daß in dem genannten Monat nächtlich die Lemuren Herumstreifen und auf das Leben der Neuvermählten Frau verderblich influiren, sondern nur als Glauben, daß im Monat Mai geschlossene Ehen sich in irgend einer Art unglücklich gestalten. So lesen wir in Bayle’s Pensees diverses: *) ״Ich sehe täglich Leute, die es vermeiden, sich im Monat Mai zu verheirath en, weil sie gehört, daß man seit undenklicher Zeit geglaubt, daß dies Unglück bringe. Ich zweifle nicht, daß dieser Aberglaube, den wir vom alten Rom überkommen, und der sich auf das in diesem Monat gefeierte Fest der bösen Geister, Lemuralien, gründete, bis ans Ende der Jahrhunderte unter den Christen bestehen werde. Denn um ihn in einer Familie zu erhalten, braucht sich nur Jemand zu erinnern, daß ein Großvater oder ein Onkel diesen Scrupel gehabt habe. Dies ist ein unbesiegbarer Grund, der einen um so größer» Eindruck auf den Geist ausübt, als man sieht, daß selbst verständige Menschen in demselben Wahn befangen sind. In der Thal gibt es Leute, die ohne abergläubisch zu sein, ihre Hochzeit, um dem Monat Mai auszuweichen, später oder früher feiern, weil ihnen daran liegt, daß man nicht glaube, daß sie sich selbst ein Mißgeschick zuziehen. Man darf nichts in dieser Welt vernachlässigen." Und wie in Frankreich im 17. Jahrhundert, so fand noch zu Ende des 18. Jahrhunderts in Schottland jener Aberglaube seine Verehrer. Dies berichtet uns Walter Scott in dem dritten seiner ״Briefe über Dämonologie und Zauberei,**) nachdem er einen andern von den Römern zu den Schotten gewanderten Brauch der Bräute besprachen. ״In gleicher Weise," erzählt er, ״vermeiden die Schotten, selbst in den höheren Ständen, im Monat Mai eine Ehe zu *) §. 100. **) ״Lettres on Demonology and Witchcraft,“ etc. Paris 1834) p. 104.