Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421007--2028-2423202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

ist heidnisch. 87 im Monat Mai ist jedoch die ältere, sie wurde schon zur Zeit gefeiert, als dort das Jahr nur aus zehn Monaten bestand, der Januar und Februar also noch gar nicht existirten.*) Die Sitte im Mai sich der Eheschließungen zu enthalten scheint auch die gleiche im Februar überdauert zu haben. Zu dieser Annahme berechtigt der Umstand, daß der, ungefähr ein Jahrhundert nach Ovid verstorbene, Plutarch unter seinen römischen Fragen, ’Pwftcuxcc, nach der Ursache forscht, warum bei den Römern die Frauen im Mai nicht heirathen**), während er denselben Brauch im Februar ganz ignorirt. Aus Plutarchs betreffender Frage geht auch hervor, daß man zu seiner Zeit der Ursache jener Sitte nicht mehr ganz eingedenk war. Denn er stellt die Frage auf: ״Geschieht dieß etwa, weil der Mai zwischen dem April und Juni liegt, von welchen jener der Venus, dieser der Juno, als Göttinnen des Ehestandes, geweihet ist, und man also dem Mai entweder zuvorkommt, oder noch ein wenig wartet? Oder, -weil in diesem Monat das größte Reinigungsfest gehalten wird, in welchem man früher Menschen in die Tiber warf, jetzt aber Bilder? Oder weil viele Lateiner in diesem Monat den Todten opfern? ... Es mag auch sein, daß der Mai vom höheren Alter (mazor) und der Juni vom jüngeren (junior) seinen Namen führt. Zur Hochzeit eignet sich aber am besten das Jugendliche. . . . Um deswillen nun schließt man im Mai keine Ehe, sondern wartet den unmittelbar darauffolgenden Juni ab." Da indessen der ältere römische Ovid durch die Todtensühneopfer, die Feier der Lemurien, allein, die auch Plutarch unter den von ihm aufgestellten Gründen anführt, den Brauch, im Mai nicht zu heirathen, motivirt, so steht es fest, daß diese Sitte in Rom eingeführt wurde und herrschend blieb, weil man glaubte, daß die bösen Geister der Verstorbenen, Lemuren, auf die in diesem Monat geschlossenen Ehen ungünstig einwirken, so zwar, daß, wie aus den oben citirten Worten Ovids erhellt, solche Ehen durch denTod der Frauen früh gelöst werden.***) *) Ov. Fast. V 423 ff. **) Dl- 86. Jia ti tov Ma'Cov ovx ayovrcti yvvaZxas. ***) .... quae nupsit, non diuturna fuit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.