Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ist heidnisch. 85 der Rachenbräune. Seit jener Zeit pflegten unsre Vorfahren des Brauches, in diesen Tagen keine Braut heimzuführen. Wer aber gegen diesen Brauch verstoßend, dennoch seine Braut heimführt, darf in keinerlei Weise bestraft werden; dem Fragsteller aber antwortet man von Vornherein nicht, daß er die Braut heimführen dürfe. Was jedoch den Trauungsact anlangt, so darf ihn Jeder nach Belieben zwischen Peßach und Azereth vollziehen, weil die Hauptfreude nur durch die Heimführung veranlaßt wird." Die Identität dieser beiden, zum Behufs des Vergleiches wörtlich angeführten Gutachten ist in die Augen springend, man sieht sich daher zu der Annahme gezwungen, daß irrthümlicher Weise dem Ha! Gaon eine Entscheidung in den Mund gelegt worden, die aus der Feder Natronäl Gaons geflossen. Dieses Responsum Natronajs ist auch, beiläufig bemerkt, die Quelle, aus welcher R. Isaak Giat die Entscheidung geschöpft, die R. Jakob ben Ascher a. d. a. O. des spur heranzieht, und welche. R. Jakob selbst bei seiner Aeußerung ״So lautet auch die Entscheidung der Gaonen," ins Auge gefaßt. Welcher Gaon Natronaj aber, ob R. Natronaj ben Nehemia in Pumbaditha, dessen Funktion im Jahre 719 begann, oder R. Natronaj ben Hiläi in Sora, der, nach Grätz, 859—869 fungirte, als Autor des genannten Gutachtens zu betrachten sei, ist aus dem Sobaars Tschubah nicht ersichtlich. Ich glaube indeflen nicht fehl zu greifen, wenn ich den elfteren als Verfasser annehme, und somit constatire, daß schon zu Anfänge des 8. Jahrhunderts der Tod der Schüler R. Akibas als Ursache des Brauches zwischen Peßach und Azereth nicht zu heirathen Aufnahme gefunden. Um diese Zeit muß nehmlich der Brauch selbst schon allgemein unter den Juden verbreitet und also auch das Streben vorhanden gewesen sein, ihn auf irgend eine Weise zu begründen. Ja, die ersten Keime des Brauches dürften in der That schon zur Zeit R. Akibas in den Geistesboden der Juden Wurzel geschlagen haben. Denn meiner Ueberzeugung nach haben ihn die Juden im Verkehre mit den Römern, oder besser, während ihres Aufenthaltes inRomund den römischen Landen kennen gelernt und bei sich eingebürgert. Bei den Römern herrschte nehmlich seit uralten Zeiten die Sitte im Mai nicht zu heirathen, weil in diesem Monat die Geister der Verstorbenen durch besondere Ceremonien gesühnt, die söge-