Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 1• Unterlassung der Trauung zwischen Peßach u. Schabuorh ganzen Völkerschaften. Der Aberglaube fand bei den cultivirtesten wie bei den barbarischesten Nationen Thür und Thor geöffnet, und war der Schöpfer populärer Sitten und Bräuche, denen «ran ein religiöses Gepräge aufzudrücken bemüht war. Diese Bräuche mit den ihnen zu Grunde liegenden Ideen gingen dann von dem Volke, dem sie entstammt waren, mittels des geistigen Ansteckungsprocesses oft zu solchen Völkern über, die mit jenem in engerem Verkehre standen, oder gar vermischt unter ihm lebten. Hierbei erging es aber diesen Bräuchen wie dem Auswanderer, der, seiner heimathlichen Stätte den Rücken kehrend, in einem andern Lande, in der Mitte eines anderen Volkes sich ansiedelt. Er vertauscht allmälich die in seiner ursprünglichen Heimath angenommenen Sitten und Gewohnheiten gegen die in seinem neuen Vaterlande waltenden, so zwar, daß er zuletzt seiner Umgebung durchaus nicht mehr als Einwanderer, sondern als Eingeborener erscheint. Ebenso verloren auch jene Bräuche in der Fremde ihr ursprüngliches Gepräge und nahmen, sich je nach der Geipesbeschaffenheit und Anschauungsweise des Volkes modifteirend, bei welchem sie Aufnahme fanden, das characteristische Colorit desselben an. Wie viele abergläubische Ideen und Bräuche haben sich nicht auf diese Weise bei den Juden Eingang verschafft und tief in ihren Geist eingelebt, während ihres Aufenthaltes in Babylon, durch ihren Verkehr mit Griechenland, zur Zeit der römischen Oberherrschaft in Judäa, und im Lande der Römer! Der Satan mit seinem Troß von Teufeln und Teufeünnen, das Bannen der bösen Geister, der ganze Amuletten-Humbug, die kabbalistischen Täfelchen für die Wochenstuben u. dgl. m., ja, wie der geistvolle Kirchheim erst vor kurzem in diesen Blättern nachgewiesen, selbst der symbolische Gebrauch am Neujahrstag in einen Fluß oder Bach Brodkrümchen zu werfen und dabei die Worte Michas zu recitiren ״und Du wirst in die Tiefen des Meeres all' ihre Sünden werfen," — sind ja nichts als Ausgeburten des Aberglaubens anderer Völker, nichts als naturalisirte Fremdlinge auf jüdischem Boden. Zu diesen Fremdlingen zählt indessen auch der herrschende Brauch in der sogenannten SxlüraL, d. i. in den Tagen zwischen dem Peßach- und dem Schabuothfeste, nicht zu heirathm. Ja so ursprünglich jüdisch dieser Brauch auch erscheinen möchte, ist er doch nur das Product heidnischer Anschauungen, nur von heidnisch