Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Abhandlungen. 1. Der Grauch in den Tagen;wische» dem pestach- und Schabnothfeste stch der Eheschließung zu enthalten, ist heidnischen Ursprungs. Von Dr. Landsberger, Großh. Hess. Landrabbiner. ^ann irgend ein Herrscher mit Recht behaupten: ״Die Sonne geht in meinem Staat nicht unter," so ist dies der Aberglaube. Sein Reich erstreckt sich so weit die Sonne scheint, seinem Scepter ist die ganze bewohnte Welt ^unterworfen. Seine Herrschaft begann mit der Entstehung des Menschengeschlechts und wird auch erst mit demselben wieder aufhören. Denn der Aberglaube wurzelt in des Menschen Hang zum Wunderbaren, und dieser Hang ist der menschlichen Seele von der Natur eingeimpst. Darum werden auch nicht nur rohe, ungebildete Menschen vom Aberglauben beherrscht; es sind vielmehr, wie dies geschichtlich nachweisbar, häufig selbst aufgeklärte Köpfe, erleuchtete Geister, ja die größten Freidenker von ihm nicht frei. Aus diesem natürlichen Hange erklärt sich auch die Contagiosität des Aberglaubens. Wie manche physische Nebel ist nehmlich auch dieses geistige unleugbar von ansteckender Wirkung. Wie viele Menschen nehmen nicht diesen oder jenen Aberglauben in sich auf, weil ihm Verwandte, Freunde, Nachbarn huldigen! Freilich kommt es hierbei, wie bei leiblichen Krankheiten, auf die größere oder geringere Ansteckungsdisposition des Einzelnen an. Und wie mit einzelnen Menschen verhält es sich auch mit Vierteljahresschrift VH. 2. 6