Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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74 VI. M. Rosenberg und K. Köhler. glossarischen Grundstöcke aus zu einem vollendeteren Ganzen fortschreitend, gearbeitet und herbeigetragen haben. Gleichviel ob alte, über die Zeit der massoretischen Feststellung des Textes weit hinaufreichende Elemente in der Version Vorkommen oder nicht, bestimmt man deren Entstehungszeit nach der redactionellen Ueberarbeitung, die natürlicher Weise tief herabreichende Spuren aufweist. Darnach wird dem jerusalemischen Targum z. B. zum Pentateuch wegen seines späten redactionellen Abschlusses ein viel jüngeres Alter als dem babylonischen, dem sogen. Onkelosischen, beigelegt, trotzdem es dem Forscherauge viel ältere Bestandtheile und in seinen verschiedenen Glossen und Varianten die Niederschläge und Ansätze einer vielhundertjährigen Entwicklung zeigt. Sieht man sich nun durch Stellen wie zu Genes. 21, 21, die schon.eine sagenhaft verblaßte Bekanntschaft mit der Familie des Mohamed verräth, veranlaßt, das Pentateuchtargum und mit ihm das in sichtbar verwandtschaftlichem oder abhängigem Verhältniß zu ihm stehende Propheten- und Hagiographentargum bis in's 8. Jahrhundert herabzurücken, so kommt man mit dieser durch die literarhistorischen Grundsätze scheinbar gebotenen Annahme in ein sonderbares Gedränge, sobald man erwägt, daß die vielen Textesverschiedenheiten, die sich in geringerem Grade aus dem Pentateuch-, in größerem aber aus dem Hagiographentargum ergeben, unmöglich einer Zeit angehören können, in der schon längst der massoretische Text durch ״Zählung" und Sichtung festgestellt worden war. Hier gilt es, den^ Forderungen einer inneren geschichtlichen Kritik gerecht zu werden und anstatt des literarhistorischen Gelehrtenkram's, der sich bei Außerachtlassung innerer Erscheinungen und Auffälligkeiten mit prunkenden Namen, die Tradition oder Sage zufällig darbieten, und Jahreszahlen begnügt, die bescheidenere, aber sichere historischgenetische Methode zu verfolgen. Dazu sind eben genauere Einzelnuntersuchungen der Versionen nothwendig, die uns befriedigendere und bestimmte Ergebnisse im Einzelnen und zugleich einen Blick in die allgemeine Geschichte der Exegese gewähren. Eine solche Untersuchung des Targum's zur Chronik dürfte daher um so verdienstlicher sein, je weniger Ausbeute sie zu versprechen scheint, und je weniger gerade dieses seltene Targum noch einer ordentlichen kritischen Prüfung und Vergleichung unterzogen worden ist, so daß noch der neuste Commentator der Chronik, Bertheau, bei seiner Besprechung der alten Uebersetzungen in der