Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Targum zur Chronik. 73 einer kritisch-historischen Beleuchtung und Aufhellung des Grundtextes gehört noch zu den frommen Wünschen. Daher muß wenigstens im Einzelnen der Grund dazu gelegt werden, damit die Exegese nicht immer an dem Gängelbande der Lehrbücher von Eichhorn und de Wette ziehe, anstatt selbst in die Werkstätte der Soferim oder Schrift-Ausleger und -Ueberlieferer hinabzusteigen, um den herrschenden Geist und die Motive der Schriftdeutung und ihren tiefeingreifenden Einfluß auf die Textesgestaltung kennen zu lernen. Die wissenschaftliche Bibelforschung muß sich einmal dazu entschließen, die allenthalben sich kundgebenden Bestrebungen der alten Uebersetzer, die darauf Hinzielen, die heilige Schrift zu Gunsten einer höheren, geistigeren Auffassung des Göttlichen durch Beseitigung der vielen menschlichen und sinnlichen Attribute der Gottheit oder zu Gunsten neuer praktisch- oder theoretisch-religiöser Lebensanschauungen durch Umschreibung und Aenderung des Wortlautes sprechen zu lassen, besser in's Auge zu fassen und zu würdigen. Ja sie muß und wird in den Auslegungen des Midrasch und den Paraphrasen der Targumim nicht so sehr das Geistessprühen spielender Phantasie oder gar ״rabbinischen Aberwitzes" als vielmehr ein recht alterthümliches S urrogat für die moderne Kritik erkennen, in welchem die zum Bewußtsein gekommenen Widersprüche und Textesverschiedenheiten, anstatt unserer objectiven, eine dem naiven Charakter jener Zeit entsprechende subjective Lösung und Ausgleichung fanden. Eine nach solchen Grundsätzen gehandhabte Prüfung und Vergleichung der alten Auslegungen und Uebersetzungen dürfte ohne Zweifel noch gar manches gute Korn an's Licht fördern, wo man oben hin nur Spreu zu finden glaubt, und gerade den so wenig gewürdigten Targumim manchen ungeahnten Werth abgewinnen. Aber auch über die Entstehungsweise und Geschichte der alten Uebersetzungen müssen für die geltenden unklaren Anschauungen klare geschichtliche an die Stelle treten. Fm eine Uebersetzungsarbeit, die aus dem allgemeinen Volksbedürsniß und aus einer ohne schriftstellerisches Bewußtsein schaffenden Geistesepoche hervorgegangen ist, sucht man einen bestimmten Verfasser aufzuspüren und klammert sich an unsichere Anhaltspunkte, xm ungeschickter Weise Einen zum Träger eines Werkes zu machen, das die Spuren vieler Hände trägt, und um, ebenso ungeschichtlich, Das einer Zeit zuzuschieben, woran viele Jahrhunderte allmählich von einem