Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden im großen dentschen Bauernkrieg 1525. 69 Städte hätten mit Hülfe der Juden die Bauern aufgereizt," eine Stütze in den Thatsachen nicht finden fläßt. Den ersten hat Wohl die Sympathie für die Sache der Bauern zu seinem Ausspruch verlockt, welche an sich ganz löblich, doch den Blick des kritischen Historikers unbestreitbaren Thalsachen gegenüber nicht verschließen sollte. Was den Gothaer Canonicus zu seiner Meinung bewogen hat, darüber kann man zweifelhaft sein. Es kann die überkommene Gewohnheit gewesen sein, die Schuld jedes Unheils, sei es nun die Pest oder eine Revolution, auf die Schultern der Juden abzuwälzen, und ebensowohl die Muthmaßung, daß die radicalen Parteien von den Juden, als den Besitzenden, financielle Unterstützung ihrer Umsturzversuche zu erpressen hofften. Da er selbst dunkel genug schreibt, so muß auch jeder Erklärungsversuch seiner Worte im Dunkeln bleiben. Klarer liegen die Beweggründe vor, welche bei dieser Angelegenheit das Benehmen sowohl der Herren wie der Aufständischen leiteten. Man wird nicht irre gehen, wenn man vermuthet, daß die ersten mit Freuden die günstige Gelegenheit benutzt haben werden, um die Wuth der aufgeregten Gemüther, welche gegen sie allein sich zu wenden drohte, auf ein zweites Opfer zu lenken, und so die Kraft wie die Leidenschaft der Angreifer zu theilen. Auch mochte ihnen, wie sehr sie auch die Judenschaft nach den damals geltenden Grundsätzen des öffentlichen Rechts, jeder in seiner Weise, zur Einnahmequelle gemacht hatten, dennoch der Gedanke nicht unlieb sein, wenn es denn doch einmal an's Theilen gehen sollte, ihre habgierigen Hände mit denen ihrer Unterthanen zu verbinden. Was endlich diese letztern bewog, so oft und so deutlich ihrem Haß gegen die Parias der damaligen Gesellschaft Luft zu machen, war mehr als Eines. Es hieße den Einfluß einer Persönlichkeit überschätzen und den Einfluß der Ideen mißachten, wollte man glauben, der Judenhaß der Bauern sei aus ihrem Haß gegen Salamanca, den Rath und Schatzmeister des Erzherzogs Ferdinand abzuleiten. Man behauptet, daß dieser Salamanca ein Jude gewesen sei, auch wird er von Zeitgenossen als ״der stinkend ketzerisch asarianisch Jud und Böswicht Gabriel von Salamanca" titulirt, aber sei dem, wie auch immer, der allgemeine Haß traf viel weniger den ״Juden" als