Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2421001-2421002--2316-2423165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 IV. E. Grünebaum. dies wird auf einen Schüler Akiba's x) zurückgeführt, Alle, welche aus Furcht, wie unter Mordechai und Esther, oder um der Herrschenden Macht zu gefallen, aus Liebe zum Genuß, um an den Tafeln der Könige zu schwelgen, und daher überhaupt unter der Blüthe des Reichs, oder aus Liebe zu einem Weibe, oder in Folge von Träumen zum Judenthume übertreten, nicht als Proselyten zu betrachten. Und wenn man sie schließlich dennoch als solche anerkannte, so geschah es doch nur, weil man annahm, es könnte auch bei diesen die innere Ueberzeugung den Ausschlag gegeben Habens also jedenfalls doch nur, wenn sie eine solche Ueberzeugung behaupteten. Noch während des gesetzlichen Tauchbades, also nach bereits erfolgtem Bekenntniß, und selbst Wohl nach der vollzogenen Beschneidung, da, nachdem beides: Beschneidung und Unterlauche einmal gefordert wurde, elftere vor der Untertauche geschehn sollte,b) scheint man dem Proselyten Gelegenheit haben bieten wollen, noch zurückzutreten: denn während des rituellen Tauchbades mußten, zuerst zwei, später sogar drei Gelehrte um den Proselyten stehn * 2 3 4), um ihm die Pflichten, welche er übernimmt, noch einmal vorzuhalten. Frauen sollten zwar nur durch Frauen ins Bad begleitet werden — aber auch bei ihnen sollten die Gelehrten vor der Thür des Bades sich aufstellen, und ihnen die übernommenen Pflichten noch einmal ins Gedächtniß zurückrufen. —- Indessen mag die letztere Vorschrift auch einen andern Grund haben, so viel steht jedenfalls fest, und ist nach unserer Auseinandersetzung unläugbar klar gelegt, daß man in der Aufnahme von Proselyten immer schwieriger wurde, obgleich man den schon in den prophetischen Aussprüchen wurzelnden großen Gedanken von dem Durchbruch eder Schranken, die das nationale Israel ursprünglich um sich gezogen hatte, nicht wieder ausgab. Letzteres geht auch daraus hervor: daß man dem Proselyten, wenn er nach allen Vorhalten und Ermahnungen fest blieb, an seiner innern Ueberzeugung also nicht mehr gezweifelt ward, auch die künftige Herrlichkeit der Frommen Israels eröffnete, an welcher er also gleich dem gebornen Israel Theil nehmen sollte. Die Thatsache steht ב) R. Necbemia Jeb. 24, b. vgl. Tb. Jer. Kid. IV, 1. Mas. Ger. c. 1. 2) Tb. Jeb. 1. 1. bes. Jer. 1. 1. 3) Vgl. die Gesetzeslehrer. 4) s. Tb. Jeb. 47, b. Mabim. v. b. Verb. Ehen 14, 6.