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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 48

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 48 (sequence 51)
Language
German
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IRI
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48 IV. E. Grünebaum, dem gelehrten, scharfsinnigen, allen Hindernissen, welche die möglichste Verbreitung des Christus-Glaubens hindern konnten, mit unbeugsamer Energie entgegen tretenden Paulus wird das Christenthum im Innern, in Bezug auf die Gesetzeslehre, eine gewaltige Revolution, nach außen zum rücksichtslosen Kämpfer gegen das Heidenthum, wo es sich fand. Es steigerte sich das, was der Rabbinismus zuließ, zum Äheil mit Widerwillen zuließ: die Aufnähme der Heiden als volle Israeliten in das Judenthum, zu einem verdienstlichen Werke, zu einer wahren Wuth für die Vergrößerung der kleinen Gemeinde. Man ״durchzog Länder und Meere, um Proselyten zu machen", und beschuldigte die Rabbinen, mit Bewußtsein der falschen Beschuldigung, der Proselytenmacherei, machte ihnen genau das, was man selbst that, zum Vorwurfe, weil man jede Aufnahme eines Heiden in das alte Judenthum als einen Eingriff in das eigene Dominium betrachtete, da man erst in sich die Erfüllung der prophetischen Verkündigung sah. Doch die Aufnahme von Heiden in das Judenthum hat auf dem Boden des Rabbinismus ^selbst ihre Geschichte, die an sich wichtig für die Kenntniß dieser Materie, umsomehr eine Beleuch- Lung fordert, als sie offenbar mit den allgemein geschichtlichen Verhältnissen im innigsten Zusammenhang steht, und daher auf's Neue Zeugniß ablegt von dem beständigen Flusse, in welchem die gesetzlichen Bestimmungen, wenigstens bis zu einer gewissen Zeit sich bewegten, von einem, von den Zeitverhältnissen bedingten Flusse, der also im grellsten Widerspruche mit der Starrheit steht, in , welche sie eine der Geschichte unkundige, sie wenigstens mißachtende blinde Orthodoxie, an ihre letzten Erscheinungen unter den traurigsten Verhältnissen sich anklammernd, wieder bannen möchte. Die erste Mittheilung von dem Uebertritte von Heiden zum Judenthum auf thalmudischem Gebiete, tritt uns unter den berühmten Schulhäuptern Hillel und Schammai entgegen 1). Drei Fälle werden hier erzählt, in welchen Hillel die Heiden sofort aufnahm, während sie Schamai unter hartem Tadel zurückwies. Es erscheinen hier sogleich die entgegengesetzten Ansichten. Wir glauben nicht, daß Schamai die Heiden wegen seines heftigen Temperaments zurückgewiesen hatte, wie der Thalmud annimmt. Er war Wohl mehr überhaupt gegen die Aufnahme von Heiden in das Judenthum; [) ®abbatf fol. 31, a.

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