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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 45

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 45 (sequence 48)
Language
German
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die Gerim- 45 Ein ganz anderer Geist dagegen weht uns in dieser Beziehung im Rabbinismus entgegen. Wo an die Stelle der Nationalität die Religion getreten war, wurde diese, wie in Bezug auf die äußeren Religionsgesetze, auch in ihrem Verhältniß zu andern Bekenntnissen ausschließlicher, particularistischer. Der Rabbinismus machte daher zwischen dem bloßen Beisaß-Fremden (Ger Thoschabh) und dem zum Judenthum ganz übergetretenen Fremden (Ger Zedek) in Bezug auf Rechtsverhältnisse und Liebespflichten einen wesentlichen Unterschied, einen Unterschied, den der Mosaismus so wenig kennt, daß er den Fremden ohne Unterscheidung Ger und Thoschabh, ja nicht selten mit beiden Benennungen zugleich bezeichnet, der aber mit dem Rabbinismus so innig verwachsen ist, daß er den zum Judenthum übergetretenen Nichtjuden geradezu Ger nennt, und das Ztw. גיר bei ihm die Bedeutung: zum Judenthume bekehren hat, in das Judenthum aufnehmen und התגיר sich zum Judenthum bekennen^). Wir müssen hier jedoch gleich von vorn herein constatiren, daß dieser ganze Begriff, d. h. die Aufnahme der Heiden in das Judenthum, die Theilnahme derselben an dem Bündnisse, das Gott mit Israel geschlossen, ein dem Mosaismus völlig fremder ist, und daß daher auch ein so bedeutender Rückschritt in dem Verhalten gegen den Beisaßfremden vom allgemein menschlichey, blos humanen Standpunkte aus im Rabbinismus, gegenüber dem Mosaismus, unläugbar hervortritt, gerade in jenem neuen Begriffe, in der Zulassung der Heiden zum Judenthume, vom Standpunkte der Religion aus ein außerordentlicher, ganz merkwürdiger Fortschritt liegt. Der Mosaismus kennt nur ein nationales Israel. So tolerant er gegen den Fremden ist, er bleibt ihm eben immer doch nur ein Fremder;, ein eigentliches Israel ist ihm nur der Nachkomme Jakobi, des ״alten Israel". Von einem Eintritte anderer Nationen, oder auch nur von Individuen anderer Nationalitäten in das Israelitenthum konnte daher auf seinem Standpunkte gar nicht die Rede sein. Dieses Verhältniß blieb ohne Zweifel während des ganzen ersten Staatslebens, sonst wäre es dem König Salomo und den späteren Königen gewiß ein leichtes gewesen, ihre ausländischen Frauen zum Uebertritt in das Judenthum zu bestimmen 2). Die- ג) S. Geiger L. l. *) Die Annahme, daß dies wirklich geschehen sei, s. Maim. v. d. Verb. Ehen 13, 16. ist willkürlich und in Widerspruch mit der Geschichte.

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