Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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38 III. Menachem, der Messias, in einem ihnen vorangegangenen Zeitabschnitte schon erfüllt gewesen sein? Da darf Wohl die Vermuthung sich hervorwagen, daß R. Hillel später mißverstanden worden. Er dachte vielleicht bei seinem Ausspruche nicht an den alten König von Juda, sondern an den als Vaterlandsvertheidiger gefallenen Hiskia mit seinem heroischen Märtyrergeschlechte, und er hielt dafür, daß mit diesen Freiheitslämpfen auch das Ende der Volksselbstständigkeit herangekommen, und wenn er Dies gemeint, so war er zwar für seine Zeit sehr nüchtern, aber doch sehr klarblickend. — An einer andern Stelle (Berachoth 28 b) wird berichtet, Jochanan ben Sakkhai habe im Augenblicke seines Scheidens gesagt: Räumet die Gefäße hinweg vor der Verunreinigung (an seiner Leiche) und bereitet einen Stuhl (Thron) für ״Hiskia, König von Juda". Wir können allerdings an die Phantasieen eines im Todeskampfe Ringenden nicht den kritischen Maßstab anlegen; allein wenn Aussprüche der Nachwelt überliefert werden, so find wir doch gewohnt, eine für ihre Zeit sinnvolle Bedeutung in ihnen zu suchen. Verlangen wir keine Rechenschaft darüber, wie die Erwartung, daß der alte König Hiskia erscheinen werde, in Jochanan's letzte Hoffnungen eindringen konnte, so möchten wir es uns doch klar machen, wie dieser Ausspruch bedeutungsvoll genug gewesen, um ihn aufzubewahren. Zu welchen Zukunftserwartungen der alte König Hiskia berechtigte, wissen wir nicht; wohl aber können wir uns denken, daß der kühne Guerillaführer Hiskia mit seinen heldenmüthigen Nachkommen solche Hoffnungen weckte, daß man ihres Wiedererscheinens harrte, auf sie den messianischen Beruf übertrug. Eine spätere Zeit erst, welcher alle diese geschichtlichen Erinnerungen entschwunden waren, machte nun aus diesem Hiskia den alten König von Juda. Demgemäß heißt es auch, Gott habe ursprünglich Hiskia zum Messias und Sanherib zum Gog Magog machen wollen, es aber dann unterlassen (Sanh. 94 a). Juda, der Sohn Hiskia's, wird in den Thalmuden nicht genannt, Wohl aber sein Anhang unter den drei ihnen eignenden Namen: Galiläer, Gaulaniten, Kannaim. Mit ihnen galt es einen ernsten Parteikampf, und ihre Erwähnung kann nicht frei von Tadel sein. So ist der Kampf zwischen einem ״galiläischen Ketzer" und den Pharisäern über die Anerkennung der römischen Ober- Herrschaft durch eine gesetzliche Controverse in Mischnah Jadajim 4, 8 angedeutet (vgl. Urschrift S. 35 Anm. und S. 146, wo beide