Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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32 II. Wechsler: Die Aufgabe der Synode. kommt nach zwei Seiten hin in Betracht. Zuerst nach der theoretischen Seite hin. Von solchen gemischten Versammlungen sind von selbst Ver- Handlungen rein theoretischer Natur, welche die genaue Bekanntschaft mit den biblischen und nachbiblischen Urkunden voraussetzen und darauf fußen müssen, oder welche Fragen der wissenschaftlichen Auffassung und Erkenntniß betreffen, ausgeschlossen. Die Rabbiner- Versammlungen haben solche Verhandlungen nicht zu meiden gehabt; die Geister konnten auf einander Platzen und sich an einander reiben, gewiß nicht zum Schaden. In der Synode können sie es nicht aus den verschiedensten Rücksichten; es wird leicht theologisches Gezänke daraus. Geiger hat daher in seinen Thesen, wie er sie zuerst eingereicht, ganz richtig eine besondere theologische Section verlangt für wichtige Fragen religionsgesetzlichen Inhalts. Die Section wäre jedoch nichts Anderes gewesen als die alte Rabbinerversammlung, die ja aber nicht erneuert werden sollte und nach der ganzen veränderten Sachlage kein Ergebniß gehabt hätte. Das Schlimme bei der Sache ist nun aber, daß solche theoretische Discussionen doch indirect sich immer wieder herandrängen, gleichsam im Hintergründe lauern, ohne zum Austrage kommen zu können, ein Damoklesschwert, welches immer über der Synode schwebt und sie bedroht. Nach der praktischen Seite hin scheint die Rechnung besser zu stehen; aber es ist auch nur Schein, ohne Wahrheit. Es ist auf dem praktischen Gebiete unseres eultuellen und rituellen Lebens gar viel zu sichten und zu lichten und dieses nach und nach zu thun ist im eminenten Sinne Beruf und Aufgabe der Synode. Derartige Anträge sind denn auch in Masse eingebracht worden, schon von der Versammlung in Kassel her. Die Speise-, die Sabbath-, die Ehegesetze sollten einer Revision unterzogen werden, die Synode soll über dieselben zu Gericht sitzen und entscheiden, inwieweit dieselben noch Geltung haben. Aber — die Synode kommt auch hier mit gebundenen Händen und mit unfreiem Blicke an die Arbeit, findet in sich selbst, in ihrer Zusammensetzung eine Beschränkung vor, welche die Rabbinerversammlung nicht hatte und nicht haben konnte. Diese stand, auch wenn sie solche praktische Fragen vor ihr. Forum zog, lediglich auf dem Boden der Theorie, der Theologie. Die Fragen waren zwar den Verhältnissen des praktischen Lebens entsprungen, bei der Lösung jedoch durften nicht btefe