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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 31

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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n. Wechsler: Die Aufgabe der Synode. 31 Strömung der Zeitwendung, in jener Neigung zur Stagnation, welche überhaupt auf religiösem Gebiete bemerkbar ist. Die Signatur der Synode, ihre Tendenz, ihre Richtung und Aufgabe ist eine erheblich andere. Dadurch, daß neben das theologische Element das rein praktische, die Vertretung der Gemeinden und zwar in unbeschränkter und dadurch in überwiegender Anzahl getreten ist, dadurch, daß man allen, kleinen wie großen Gemeinden die Vertretung und Stimmgebung eingeräumt hat — in der letzten Stunde der Synode, im Fluge gleichsam, in Folge eines Antrages, welcher für diesmal wegen seiner Wichtigkeit und unberechenbaren Tragweite gar nicht mehr hätte zum Austrage kommen sollen, sogar jedem angestellten jüdischen Lehrer —, hat man bekundet, daß man ein anderes Ziel im Auge habe, noch ganz andere als die bisherigen, nur aus dem Innern der Sache hervorgehenden Rücksichten walten lasse. Wir haben dadurch gewonnen und verlorm; ge- Wonnen die Aussicht auf Zusammenstimmung des Theologen mit Männern des Lebens, mit tüchtigen, gebildeten Männern, deren Urtheilsfähigkeit, deren praktischer Blick und unbefangenes Urtheil dem Ganzen nur förderlich sein kann; gewonnen ferner die Aussicht, daß die Beschlüsse der Synode von diesen Männern werden in die Gemeinden hineingetragen und darin vertreten werden, eine Aussicht, eine Hoffnung, welche freilich nur zum kleinen Theile sich erfüllen wird. Wir haben aber dadurch verloren an Freiheit, an Offenheit und Unbefangenheit; wir haben uns dadurch gebunden in unseren Verhandlungen und noch mehr in unseren Beschlüssen. Die Vertreter der Gemeinden, oft ihren Gemeinden weit vorangeschrittene Männer, behalten aber dennoch bei den Verhandlungen und noch mehr bei den Beschlüssen mehr als die Sache selbst ihre Gemeinden im Auge, wollen die Existenz, wollen die Ruhe, den Frieden, die Einheit dieser Gemeinden nicht gefährden. Welchen Einfluß das oft auf die Abstimmung hat, brauche ich nicht zu sagen. Und die Rabbinen? Sie haben auch in der Synode eine andere Stellung, stehen, reden und stimmen hier gewissermaßen mitten in der Gemeinde, manche sind sogar ausdrücklich delegirt, es ist daher nur menschlich, daß auch sie dem häufig Rechnung tragen, daß der Kanzelton und die Predigt manchmal wiederklingt, daß sie sich mehr gebunden und beengt fühlen. Ein auch nur flüchtiger Blick in die stenographischen Berichte wird Jeden von dieser veränderten Sachlage überzeugen. Die Veränderung aber

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