Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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30 II. Wechsler: Die Aufgabe der Synode. andrerseits und nicht minder die Gesetze und Ritualien des ehelichen Lebens, Ehescheidung, Chaliza w. s. w.; ja durch einen allerdings nicht zu leugnenden Mißgriff fingen sie sogar mit der schwierigsten, verfänglichsten Frage an, mit der Frage der Zulässigkeit von Ehen zwischen Juden,und Christen. Ich nenne es einen Mißgriff, weil es eine Verfrühung war, und nicht aus der Versammlung herausgekommen und durch den Gang der Entwickelung herbeigeführt, sondern ihr von vorn herein aufgenöthigt, aufoctroyirt. Und doch hatte diese Verfrühung, dieses scharfe Heraustreten gleich von Anfang an sein Gutes, war eine Signatur, eine offene Fahne für Jedermann. Mochte man von einer Seite her Weh und Zeter schreien über diese kühne Richtung; mochten ängstliche Gemüther, schüchterne, vorsichtige Rabbiner sich darum von der weiteren Theilnähme mit Eclat zurückziehen oder stille wegbleiben — es hatte doch sein Gutes, es war Farbe und war Richtung darin, kein Hinken und Schwanken nach zwei Seiten, kein leeres Phrasenthum, wir konnten selbst das kühne, geistreiche, oft excentrische Wort des seligen Holdheim vertragen und uns daran erfreuen, denn es waren ja nur aufrichtige Männer der Lehre beisammen, welche Verständigung und Ausgleichung ihrer Auffassung der religiösen Aufgäbe anstrebten, welche zunächst sich selbst belehren und berichtigen wollten und dann das Resultat ihrer Verhandlungen kund gaben zur beliebigen Beachtung. Die Rabbinerversammlungen waren keine Versammlungen für die bloße Praxis, für die bloße äußere Gestaltung des religiösen Lebens nach dem gegenwärtigen Moment, sondern für das ganze religiöse Gebiet in seinen Grundlagen wie in seinem Ausbau und es durfte, ja sollte Jeder sich frei und ohne Rückhalt aussprechen über Alles, solche Freiheit und Offenheit war kein Vorwurf, höchstens eine Vogelscheuche für die Aengstlichkeit. Wer die alten Berichte nachliest, der wird sich wundern über die Macht des freien Wortes, welches damals unter uns herrschte, und wenn er dann eine Parallele zieht, so wird er in den stenographischen Berichten der Synode einen etwas andern Geist Waltend bemerken und nicht immer den Geist des Fortschritts. Sind wir denn wirklich zurück geschritten? Sind wir jetzt zurück oder damals zu weit gegangen? Wenn man weder das Eine noch das Andere zugeben will, so muß man die Erklärung in der Sache selbst suchen und sie liegt auch meines Erachtens zum Theil wenigstens in der Sache, zum Theil freilich auch in einer