Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2421001-2421002--2293-2423142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
H. Wechsler: Die Aufgabe der Synode. 29 die Aufgabe schien dieselbe, wozu-noch lange darüber klügeln? Daß dennoch beide Arten von Versammlungen in mancher, in wichtiger Beziehung ganz verschiedene Signatur haben, daß die Er- Weiterung eine Verengung, eine größere Concentrirung und Beschränkung in der Aufgabe nach sich zieht, zur nothwendigen, wenn auch bis jetzt nicht genügend beachteten Folge hat' — diese meine Ansicht von der Sache will ich versuchen zu begründen und klar zu machen. Das Bedürsniß einer Reform, d. h. einer Umgestaltung, Neubelebung des Judenthums in Haupt und Gliedern, in seiner innern Auffassung und noch mehr in seinem äußern Zusammenhänge mit dem Leben, mit den gewaltigen Wandlungen desselben in der Neuzeit — es ist unstreitig die Wurzel, die Mutter beider Arten von Versammlungen, und insofern stehen sie auf gleichem Boden. Wer dieses Bedürsniß negirt, bekämpft, der kann nicht Mitglied derselben sein, der bleibt schon von selbst weg. Es ist meines Erachtens keine Verdächtigung, keine Anklage dieser Versammlungen, wenn man ihnen nachsagt, sie wollen reformiren, sie wollen alte, hergebrachte, stabil gewordene Sitten und Gebräuche, ja sogar Glaubensformen und Normen einem geistigen Prozeß unterziehen, fich darüber aussprechen, in wie weit dieselben noch Geltung haben können nach dem jetzigen Umschwünge in Wissenschaft und Leben — wenn man ihnen diesen Vorwurf macht, dieses für einen Vor- Wurf hält, so müssen wir ihn dahinnehmen und über uns ergehen lassen, so würden wir der Wahrheit ins Gesicht schlagen, wollten wir uns dagegen spreizen und mit dem Conservatismus liebäugeln, wie es häufig geschehen ist und geschieht. Ja, die ganze Genesis dieser Versammlungen ist keine andere, sie haben ihren reformatorischen Charakter von Anfang an an der Stirne getragen; Rabbiner, Männer der jüdisch-theologischen Wissenschaft und der religiösen Praxis in Deutschland sind zusammengetreten zu reformatorischen Zwecken, haben sich nicht etwa auf Kleinlichkeiten und Geringfügigkeilen und auch nicht auf leere Phrasen und allgemeine Declarationen beschränkt und damit die Zeit vergeudet, sondern haben sogleich wichtige, ja die wichtigsten Punkte in Verhandlung gezogen, theoretische wie praktische Punkte, Messiaslehre, Werth des Opfercultus, Umgestaltung des Cultus überhaupt nach geläuterten Principien einerseits, sowie Sabbathfeier, Feier und Dauer der Festtage, Geltung der Speisegesetze, überhaupt der Ritualgesetze