Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die Versammlung zu Philadelphia. 23 Verdrängung beschleunigen wird. Gehoben würde freilich gänzlich der ConflicL durch die vollständige Verlegung. Allein abgesehen davon, daß Empfindungen, die mit allen geschichtlichen Erinnerungen auf's Innigste verschlungen sind, sich nicht ohne Weiteres von einem Tage auf den andern übertragen lassen, abgesehen auch von den tief eingreifendsten theologischen Erwägungen, die bei diesem Vorschläge in Betracht kommen, ist der Conflict am Ende doch nicht blos ein äußerer, weil er etwa blos den Tag und nicht das Wesen einer wöchentlichen Feier betrifft, sondern er ist die Frucht und, man möchte auch sagen, die treibende Kraft eines religiösen historischen Weltkampfes. Die Frage, ob Samstag oder Sonntag, ist die Frage, ob dem Christenthume die Beherrschung aller Lebensverhältnisse als eine berechtigte zuerkannt werden soll. Wohl mögen wir erklären, daß alle jene kleinlichen Bestimmungen, welche dem Sabbathe das puritanische, starre Gepräge aufdrücken, an ihm jeden nothwendigen Lebensverkehr unterbrechen wollen, für uns ungültig sind; wir mögen auch aussprechen, daß so sehr die ununterbrochene gewerbliche Berufsthätigkeit mit dem Wesen des Feiertags in Widerspruch tritt, wir doch denjenigen, welcher durch seine sonstigen Pflichten oder durch den Drang des Lebens dazu genöthigt wird, nicht der absichtlichen Entweihung des Sabbath zeihen, seine religiöse Gesinnung nicht deshalb in Zweifel ziehen dürfen. Allein eine Verlegung des Sabbath auf den Sonntag ist die Unterwerfung unter das Christenthum, die Anerkennung von der Berechtigung seiner allgemeinen Herrschaft. Und diese Anerkennung muß das Judenthum umsomehr versagen, jemehr es seiner umfassenden Mission inne wird, je mehr es aufhört, sich als die Religion eines blos engen Kreises zu betrachten und jemehr es seinem messianischen Ziele sich anzunähern selbstthätig arbeitet; da darf es ihm nicht genügen an Duldüng innerhalb seiner engen Gränzen, es ringt um volle Gleichberechtigung, nicht der Juden, sondern ihrer Religion, ihres Geisteslebens, es ringt um welthistorische Geltung. Der ConflicL, ob Samstag ob Sonntag, ist daher die Frage: darf das Christenthum allen Bewohnern seine Feiertage auferlegen, oder hat das Judenthum das Recht, die seinigen gleichmäßig zur Geltung zu bringen? Und hier kann, hier darf es keine Nachgiebigkeit geben. Eine andere Frage von tiefeinwirkender Bedeutung ist die