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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 13 (sequence 16)
Language
German
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1. Die Versammlung zu Philadelphia. 13 dem Gesetze (dem Brauche) Moses und Israels"; ״nach dem mosaischen und rabbinischen Gesetze aber, sagt man, erwirbt und weiht sich der Mann das Weib, nicht aber letzteres den ersteren", und gerade diese Einseitigkeit will die Trauungsformel ausdrücken. Auf dem Standpunkte, welchen die Conferenz einzunehmen scheint, wonach die Trauungsformel ein nochmaliges Gelöbniß zur Uebernahme der Pflichten ist, müßte dann der passive Ausdruck in den activen umgewandelt werden; die Ehegatten dürften nicht zu einander sagen: sei mir geweiht, sondern: ich weihe mich Dir. Faßt man jedoch, was offenbar das Nichtige ist, die Trauungsformel auf als den Ausdruck für den Abschluß der Handlung zur vollendeten Thalsache, so ist die passive Form die passende. Wohl aber würde ich es als eine wesentliche Verbesserrmg betrachten, wenn die Formel dahin geändert würde, daß der Mann spräche: So seien wir einander geweiht. Wie steht es aber mit dem Zusatze: nach dem Brauche Moses und Israels? Vor Allem muß bemerkt werden, daß es unrichtig ist, das דת mit ״Gesetz" zu übersetzen, es bedeutet vielmehr: die feststehende Sitte, den Brauch. Das beweist das entsprechende דת יהודית, jüdische Sitte (Mischnah Khethuboth 7, 6), welche vom Weibe verlangt, daß es nicht mit wirrem Kopfhaare ausgehe, nicht auf der Straße spinne, nicht Jedermann anrede, nicht des Mannes Eltern in dessen Gegenwart fluche, nicht so laut im Hause schreie, daß die Nachbarn es hören, also von dem Weibe Dinge verlangt, die durch kein Gesetz geboten sind, welche jedoch die gute Sitte, wie sie unter Juden herrschend geworden, auferlegt. Und wenn irgendwo, so gilt hier in vollem Maße der Spruch, daß die Sitte mächtiger und besser ist als das Gesetz. Die Monogamie war unter den Juden allezeit herrschend, selbst in Ländern, deren Gesetz sie nicht verlangt, trotzdem das in Rechtsaussprüche ausgeprägte jüdische Gesetz sie nicht gebot, weil der Geist des Judenthums sie in der Sitte zur Geltung brachte. Die Treue der Männer und Frauen in Israel, deren ernste Pflichterfüllung, die Familieninnigkeit in ihm ist allgemein anerkannt, und wir blicken auf diese heilige Lebenssitte, welche ein treuerer Ausdruck von dem innerlich wirkenden Geiste ist als der starre Buchstabe des Gesetzes, mit hoher Befriedigung. Warum sollten wir nicht also, wenn wir auch Moses hier unerwähnt lassen mögen, nicht weiter sagen: nach der frommen Sitte Israelis? Denn die Aenderung, welche die Conferenz beliebt hat: nach dem Gesetze

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