Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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10 I. Die Versammlung zu Philadelphia. - erwähnen und dennoch kurz vorher ebenso gefordert wird, daß die Auserwähltheit Jsrael's zum Religionsvolke nach wie vor scharf betont werde? Ein richtiger Gedanke ist hier so unklar wie nur immer möglich ausgedrückt. Die geschichtsphilosophische Construetion über den Untergang des zweiten jüdischen Staates unter 2 ist etwas ungemein Problematisches, und ist dieser Unterbau für die etwaige Wegschaffung des ובלפכי חטאינו wahrlich sehr überflüssig. Und andererseits vermißt man hier Vieles, das man mit Recht erwartet. Ick will nicht davon sprechen, daß das Verlangen nach möglichster Abkürzung gar nicht zum Ausdrucke gelangt; warum wird aber kein energisches Wort gegen den starken Gebrauch einer ebenso unjüdischen wie unwissenschaftlichen Engellehre, gegen das schmachvolle Anrufen des erworbenen Verdienstes vermittelst des versuchten Sohnesopfers ('Akedah) ausgesprochen? Das find schwere Mängel, bei denen eine genügende Kenntnißnahme von den geläuterten Anschauungen der Gegenwart und den darauf gegründeten Anforderungen vermißt wird. Wollen nun Gemeinden die abgegebenen Erklärungen sich zur Richtschnur für die Läuterung ihres Gottesdienstes nehmen, so werden sie als entschiedene Aussprüche finden, daß die Bitte um Wiederherstellung eines jüdischen Staates, die daran sich knüpfende Aussicht auf die Wiedereinführung des Opfercultus und eines durch denselben besonders geheiligten Priesterstammes wegzusallen habe, daß ferner von der leiblichen Auferstehung nicht mehr die Rede sei. Aber unsicher werden sie umhertasten, außer den bereits erwähnten vermißten Punkten, wenn sie sich darüber entscheiden wollen, Welche Stellung Jerusalem im Gebete einzunehmen habe, ob die Erwähnung des Opfercultus und der Ahronidenbevorzugung ״in ihrer Erziehungskrast" etwa darin bestehen solle, daß wie bisher alle ehemaligen Opfer des Tages aufgezählt werden, des ehemaligen Priesterdienstes mit besonderer Theilnahme gedacht werde u. dgl. Kurz, ich glaube, daß meine proponirten Thesen den Vergleich mit den dortigen Erklärungen nicht zu scheuen haben. — Es ist schon mehrfach hervorgehoben worden, daß die gottesdienstlichen Fragen, in ihrer Abhängigkeit von der Individualität und den geschichtlichen Verhältnissen der verschiedenen Gemeinden, gerade am Wenigsten sich zu Gesammtberathungen eignen und bei ihnen am Schwersten eine heilsame Einigung zu erzielen ist. Weit ersprießlicher konnten die Verhandlungen über Ehegesetzliches