Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Versammlungen. 3 des Heils für die GesammtmenschheiL machen will. Nicht die national ausgeprägte überkommene Form darf ihr Leitstern sein, sondern lediglich die menschheitlich ewige Idee; alles praktische Streben führt nur dann zu gesunden Zuständen, wenn es nicht Veraltetes und Einengendes gewaltsam aufrecht erhalten will, sondern mit schöpferischem Hauche das Welke abwirft und als frische die ganze vorangeschrittene Menschheit zu beseelen fähige und bestimmte Kraft sich bewährt. Das muß in jedem einzelnen kleinen Kreise angestrebt werden, dazu muß die Vereinigung zur Gesammtthätigkeit hinführen; die rüstig Strebenden aus den verschiedensten Gemeinden sollen sich zusammenschaaren, um einander zu erfrischen und zu ermuthigen, den Blick zu erweitern und die große Aufgabe ernster sich gegenseitig vorzuführen, durch deren Ausspruch und Klarlegung sie zu deren Erfüllung auch weiterhin aneifern. Nur das kann das höhere Ziel solcher Versammlungen sein, das sie als leitenden Gedanken im Auge haben müssen, wenn sie auch nicht unvorbereitet demselben sich nähern können. Wohl weiß ich, daß noch viele Uebergangsstufen zu erklimmen und zu beschreiten sind, bevor die volle Höhe erreicht und ihr gemäß die praktische Gestaltung bewirkt werden kann; Wohl verkenne ich nicht die allmälige Ueberleitung aus den wenn auch verwitterten, dennoch noch stark wurzelnden Anschauungen und namentlich den darauf gegründeten Institutionen zu der gesunden Auffassung und kräftigen Ausprägung in den Lebensverhältnissen. Aber alle diese Uebergänge müssen bewußte Vorbereitung und Anbahnung sein, sie müssen in ihrem Charakter als Uebergänge erkannt werden und nicht zu schwächlichen, engherzigen, abschließenden Vermittelungen herabsinken. Der Uebergang ist in Europa, in Deutschland schwieriger als in der neuen Welt, und das Verfahren wird demgemäß auch ein verschiedenes sein müssen. Wir haben alte Gemeinden, in denen Jahrhunderte lang gepflegte Institutionen fest wurzeln; Amerikas Gemeinden sind erst in der Entstehung begriffen und werden von vorn herein vom Geiste unserer Zeit durchweht, auf deren Anschauungen neu begründet. Unse re Gemeinden bilden eine räumliche Einheit; alle jüdischen Bewohner eines Ortes bilden eine in sich geschlossene Gemeinde, deren Zusammengehörigkeit theils durch gesetzliche Maßregeln befestigt, theils durch langjährigen geschichtlichen Zusammenhang innerlich eng verbunden ist. Dieses räumliche Band umschließt aber Mitglieder' noch so abweichender Gesinnung, von 1*