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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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2 I. Versammlungen. dann um so enger anlegen, je feindseliger man von Außen gegen es auftrat. Die Culturentwickelung wird sich jedoch nunmehr ihres allgemeinen menschheitlichen Charakters bewußt, .und so muß auch das Judenthum seine nationale Einengung aufgeben und ohne Zagen, seines ewigen Inhaltes versichert, in die weiten Hallen der Menschheit Vordringen. Diese aber ist in einer sehr starken religiösen Gährung begriffen; vergeblich müht sich die herrschende Religion ab, ihren Einfluß weiter zu behaupten. Das Christenthum tritt, wenn es darauf beharrt die Anerkennung zu erlangen, daß es als ein neues Lebenselement eingetreten .sei, wenn es demgemäß will, daß sein Stifter als der Mittelpunkt der Weltgeschichte übermenschlich verehrt werde, von Tag zu Tage mehr in Widerspruch mit der erleuchteten Vernunft. Giebt es diesen Anspruch auf, so hört es auf Christenthum zu sein, wird eine zeitliche Phase des Judenthums, welches in seiner Fortentwickelung der heilbedürftigen Menschheit Befriedigung gewähren soll. Das nun ist die Aufgabe der Wissenschaft, das die Aufgabe der Lebensgestaltung innerhalb des Judenthums. Unser gegenwärtig gewonnener tieferer Einblick in die geschichtliche Geistesbewegung der Menschheit setzt uns in den Stand, Werden und Ausbildung des Judenthums gerechter zu würdigen als es irgend einer früheren Periode möglich war; wir lernen die früheren Entwickelungsstufen begreifen und ehren, ohne darum das Recht unserer fortgeschrittenen Einsicht aufzugeben. Und diesen Einblick in die verschlungenen Gänge des Alterthums zu gewinnen, uns in den Geistesproceß zu versenken, der die merkwürdigen Gestaltungen des Judenthums zu den verschiedenen Zeiten aus sich hervorgebracht, das ist eine würdige Arbeit für unsere Zeit. Jede Einzelforschung in diesem Sinne befreit und fördert das Judenthum; jeder Versuch, einen gesunden Gesammtüberblick über seine Entstehung und seine Gänge zu gewähren, den Einblick in seine treibende Kraft zu eröffnen, führt es dem Ziele seiner Weltmission näher. Das ist ächtjüdische Wifsenschaft, so sehr sie vergänglichen Erscheinungen ihren Rechtsanspruch auf ewige Dauer abstreift und ihnen nur zeitliche Berechtigung zuerkennt. Dieser großen Aufgabe der Wissenschaft, welche bindet, indem sie löst, zur großen Vereinigung aufruft, indem sie aus engen Banden befreit, muß auch die Lebensgestaltung folgen, wenn sie heilsam für die bisherigen Bekenner des Judenthums wirken, es zum Gefäße

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