Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Aus Briefen. lich die Tollheiten in seinem Kreise tagtäglich wie Pilze aufschießen sieht? Ein Mann wie Diestel, der doch keineswegs mit dem Wunderglauben brechen will, wagt diesen im Judenthum anzuklagen, und die freisinnige christliche Theologie, die in ihrem Kreise sich dennoch nicht von der Verhimmelungssucht, von der Jgnorirung menschlicher Schwachheiten und der maßlosen Erhebung zweifelhafter Vorzüge losringen kann, hat den Muth, bei weit weniger sicheren Streitfragen dem Judenthume Befangenheit vorzuwerfen! Das ist eben die Splitterrichterei, die den Balken im eigenen Auge nicht sieht! Um so erfreulicher jedoch ist der Umschwung zum Bessern. Aus Arieferr. Von Hrn. S. H — m, K—u im Nov. Sie dürften Wohl den jüngst erschienenen Nachlaß R a p o p o r t's noch nicht gesehen haben, obgleich er sich überwiegend mit Ihnen beschäftigt (242 Seiten!), und zwar ausschließlich mit dem ersten Buche Ihrer ״Urschrift", also den ersten 100 Seiten derselben, Zu welchem noch eine Besprechung des Capitels über Moloch (Urschrift S. 299 ff.) kommt. Selbst wenn Ihnen das Buch nicht zukommen sollte, werden Sie Nichts daran verlieren. Es ist Ihnen nicht minder, als denen, welche Rep. näher gestanden, hinlänglich bekannt, daß derselbe geistig bereits etwa vor dreißig Jahren abgestorben War, und Sie erwarten von seinen Leistungen innerhalb dieser Zeit, zumal wenn die verletzte Eitelkeit, das heuchlerische Hervorkehren seiner Orthodoxie die Antriebe zu seinem schriftstellerischen Auftreten waren, durchaus nichts Ersprießliches und Anregendes. Freilich muß ich bekennen, daß wir hier dennoch über die Hohlheit dieses Buches, über die gänzliche Unfähigkeit, einen kritischen Standpunkt zu begreifen, geschweige einzunehmen, über die gehässige Leidenschaftlichkeit überrascht sind; so unbedeutend, ja so vernichtend für den Ruf des Verewigten hatten wir uns das Buch doch nicht gedacht. Es langweilt durch seine breite Geschwätzigkeit, es widert an durch die Rohheit in Ton und Gesinnung. Nicht einmal eine nebenherlaufende Anregung, eine scharfsinnige Bemerkung durch