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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 77

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 77 (sequence 80)
Language
German
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Umschau. 77 Wissenschaft Wohl informirt erscheint und sein rabbinischer Commentar sich meist auf wesentliche Fragen bezieht." Wir unsererseits können uns nur freuen, wenn diese Wechselwirkung jüdischer und christlicher Forschungen endlich eintritt. *) — Freilich ist dies noch immer mit großen Schwierigkeiten verknüpft, meist wird das Urtheil vornehm nach einer zufällig in die Hände gelangten Schrift gefällt, ohne sich um den ganzen Umfang der jüdischen Leistungen zu kümmern. Dies beweist uns eine Aeußerung, die nicht lange vorher aus demselben Kreise hervorging, dem wir die soeben angeführte gerecht würdigende Aussprache verdanken. Wir lesen nämlich in Schenkels ״allgemeiner christl. Zeitschrift" vom vor. Jahre (S. 438): Die christliche Arbeit auf diesem Gebiete snämlich zur Erkenntniß des jüdischen Bewußtseins in der Zeit der Entstehung des Christenthums^ harrt immer noch einer ebenbürtigen Ergänzung von jüdischer Seite her. Zwar gewinnt diese jüdisch-theologische Literatur der Neuzeit offenbar täglich an Bedeutung. Aber es wird noch eine Weile dauern, bis jene ״bizarre Mischung von reflectirender Nüchternheit und rhetorischem Pathos, von Wunderglaube und Zweifelsucht", wovon Diestel (Jahrbücher für deutsche Theologie, 1868 S. 150) spricht, einer correcten Stellung der Methode und des Urtheils gewichen ist und so durchweg komische Bücher, wie ״das Leben Mosis" (1868) von dem Heidelberger Pädagogen Dr. Hermann Reckendorf zur Unmöglichkeit geworden sind. Dagegen ist zum mindesten die Durchschnittslinie eines bessern Strebens von der ״Sittenlehre des Judenthums" vertreten, wie sie der Landauer Rabbiner Grünebaum ausgestellt, wiewohl auch er so wenig als sein größeres Vorbild Geiger in Frankfurt sich zur einfachen Anerkennung der Menschlichkeiten entschließen kann, welche den jüdischen Gottesglauben in seinen mosaischen und altisraelitischen Ursprüngen begleiten." Es ist eben die alte Geschichte von dem Splitter und Balken. Inwiefern die Schrift Reckendorfs das harte Urtheil verdient, weiß ich nicht, da sie mir nicht bekannt geworden; aber wer berechtigt denn von einer schlechten Schrift, wenn es wirklich eine solche ist, auf das ganze Schriftthum zu schließen, wer berechtigt namentlich einen aufgeklärten christlichen Theologen dazu, der doch wahr- *) Interessant ist, daß die eben besprochenen Aeußernngen der Prot. K.-Z. ziemlich treu in die schwedische politische Zeitung Aftonbladet vom 19. Febr. übergegangen sind, jedoch ohne Angabe der Quelle.

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