Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Neeensionerr. Literatur zu beschäftigen. Im christlichen Lager begann man zu schwanken. Man mag sich bei den großen Schwierigkeiten, welche die Beschäftigung mit der jüdischen nachbiblischen Literatur darbietet, bei den vielen unfruchtbaren Steppen, welche man zu durchwandern hat, um endlich ein zweifelhaften Ertrag verheißendes Fleckchen aufzufinden, nicht so leicht entschließen, dieses unwegsame Gebiet zu betreten, dringt aber in die Juden, den Erfolg Übersichtlich darzubieten, die Quellen, wenigstens die fruchtbaren Stellen zugänglich und dem allgemeinen Genüsse möglich zu machen. Solchen Aufforderungen verdanken mehrere neuere jüdische Schriften ihre Entstehung. Diesem Antriebe folgte auch die französische Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften, wenn sie, auf Anregung der Herren Renan und Munk, im Juli 1863 die Preisfrage stellte, alle geographischen, topographischen und geschichtlichen Angaben über Palästina, welche in den beiden Thalmuden, den Midraschim und andern Schriften der jüdischen Tradition zerstreut sind, zu vereintgen, diese zu einem systematischen Ganzen zu gestalten, sie einer vertiefenden Kritik zu unterwerfen und mit den Angaben zu vergleichen, welche sich in den Schriften des Josephus, des Eusebius, Hieronymus und anderer kirchlichen und weltlichen Schriftsteller vorfinden. Diese Arbeit ist in die Hände eines ebenso befähigten wie fleißigen und zugleich nüchternen Gelehrten gefallen, und wir verdanken Hrn. A. Neubauer, der schon so manches Gebiet der jüdischen Literatur bereichernd angebaut hat, ein schönes Buch über diesen Gegenstand: La geographie du Talmud (Paris 1868 XL und 468 S.). Hr. N. bekennt, daß aus Talmud und Midraschim sehr wenig zur Bereicherung unserer geographischen Kenntnisse Palästina's, noch weniger fremder Länder geschöpft werden kann, daß ihre directen oder gelegentlichen Angaben sehr häufig von Sagen, von beabsichtigten Deutungen überwuchert, die Namen, auf die es hier hauptsächlich ankommt, bald schon im Munde des Volkes verstümmelt, bald durch unwissende Abschreiber, denen es auf solche Dinge gar nicht ankam, entsetzlich entstellt sind und so der Erklärung bedürfen, nicht aber Dunkelheiten aufzuhellen im Stande sind. Soweit ich nun nach rascher Lectüre beurtheilen kann, hat Hr. N. mit hingebendem Fleiße das weite Gebiet nach dieser Seite hin durchforscht und wird wenig zur Vollständigkeit fehlen, er hat sich auf seinen Gegenstand beschränkt und ohne schwindelnder Conjectur Raum zu gestatten, Erklärungen und Nachweise versucht, soweit