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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 63

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 63 (sequence 66)
Language
German
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Neubauer: Geographie. 63 Notiz zu nehmen habe. Mit dem letzten halben Jahrhundert begann die Auffassung unter den Juden sich umzugestalten. Der erwachende historische Sinn begnügte sich nicht mehr mit der leichtfertigen Verwerfung, er ging auf historische Erkenntniß aus, er drang auf eine gerechte Würdigung, auf erneute unbefangene Durchforschung, auf die Einsicht in den Zusammenhang und die Entwickelung der Anschauungen, wofür diese große reiche Literatur der einzige gültige Ausdruck ist. Bei der Aufgabe, welche man sich somit stellte, dieses Gebiet neu zu untersuchen, blieb man oft am Aeußerlichen haften, legte einen zu hohen Werth auf genaue bibliographische und biographische Feststellungen, möchte auch manchmal eine Vorliebe für den eifrig aufgenommenen Gegenstand fassen und mit einer gewissen romantischen Lust den Inhalt verschönern; aber neben diesen unvermeidlichen Ausschreitungen gelangte man doch auf diesem Studienwege zu der Ueberzeugung, daß in diesem umfangreichen Schriftthum noch keineswegs alles Wissenswerthe ausgeschöpft sei, die neuen Waffen der historischen Kritik führten auch, wenn auch allerdings die Conjectur den Berichten unterlegend, zu ganz neuen Resultaten, die nach allen Seiten hin ihre erhellenden Schlaglichter warfen. Dies war nun freilich zumeist der Fall auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte selbst, namentlich der inneren geistigen Ent- Wickelung, und die neuesten Forschungen haben bewiesen, daß unsere ganze geschichtliche Auffassung aus den neu gefundenen und kritisch gewürdigten Andeutungen zu einer eindringenden Berichtigung, zu einer vollen Umgestaltung in der Erkenntniß der jüdischen Geschichte während des zweiten Tempels und somit auch zum neuen Anbau des Bodens, auf welchem das Christenthum erwachsen, hinführen, und so über die Gränze des Judenthums hinaus welthistorischen Einfluß üben. Äder auch auf andern Gebieten, dem externhistorischen, dem geographischen, dem naturhistorischen u. dgl. behauptete man aus der älteren jüdischen Literatur neue Aufschlüsse zu gewinnen. Einzelne leise Andeutungen wurden zu thatsächlichen Belehrungen, scharfsinnige aber unsichere Combinationen zu bezeugten Angaben erhoben, und so entstand im jüdischen Lager ein Pochen auf den Werth dieser vernachlässigten Literatur, ein herausforderndes Verlangen, diese ungerechte Vernachlässigung aufzugeben und es nicht mehr dabei bewenden zu lassen, seine Unwissenheit einzugestehen, oder sie stolz zu verleugnen, sondern sich wieder ernstlich mit dieser

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