Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 57 man wird ihnen keine Rücksicht angedeihen lassen; aber darum ist der Eigensinn nicht lobenswerth, welcher nahe liegende Mißverstandnisse herausfordernd schafft oder beibehält. In der Religion namentlich zehrt ein äußerlicher Friedensstand mit einer bis an die Zähne bewaffneten Kriegsbereitschaft die edelsten Kräfte auf, zeitigt die blutige Saat des Mißtrauens. Und für dieses Alles will die Vermittelungstheologie kein Verständniß haben, um nur einige Werthlose Worte, die von den Meisten doch verspottet werden, nach rechts hin als Concession entgegenzuwerfen? Darum erzählt sie spaßhafte Anekdötchen, um den hohen Ernst der Sache abzuschwächen? Vermittelung. Auch ich erkenne die Nothwendigkeit einer Vermittelung an; ich dulde, ich empfehle in ver Praxis ein vermittelndes Verfahren, allein die vermittelnde Theorie und Theologie ist eine Lüge. Man sage ehrlich und offen, Das und Jenes läßt sich für jetzt, auch für lange Zeit noch nicht durchführen, die Durchführung würde einen Zwiespalt erzeugen, der gefährlicher wäre als die bestehende Unvollkommenheit. Gut, das hängt von Umständen ab und wird billig erwogen und anerkannt werden. Aber man wolle nicht die Gedanken verwirren, wolle nicht das Werk der Noth als in sich begründet, als auf Grundsäulen der ewigen Wahrheit beruhend darstellen, wolle nicht andern Verhältnissen, die geeigneter sind zur Ausführung des Begehrenswerthen, Zwang auferlegen, nicht willkürliche Gränzen stecken. Und wo es die großartigsten Culturfortschritte gilt, wie die Vorstellung von Kindesopfern, von der sühnenden Kraft der stellvertretenden thierischen Opfer, die Trennung der Menschheit in feindliche Gruppen, da darf die Vermittelung nicht nachgiebig sein, die Waffen niederzulegen, bevor sie alle Kräfte aufgeboten, um den edelsten religiösen Gütern der Menschheit zum vollen Siege zu verhelfen. Die Stellung unserer Zeit zu Reformen. Ich kann diese Erörterungen, die eine größere Ausdehnung gewonnen, als ich ihnen zu geben beabsichtigt hatte, doch noch nicht verlassen, ohne schließlich einen Einwand kurz zu berühren, der vielfach gemacht wird und einigen Schein hat. Schon seit Jahrzehnten wiederholt man uns die Mahnung: ihr Thoren, der ihr eine Reform in Leben und Cultus anstrebt, ihr mühet euch vergeblich ab; während die Einen eure Reformbestrebungen verabscheuen, gehen