Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 53 GebeLbuche vorgenommen worden, und was darüber hinausgehl ist vom Nebel. Hr. Dr. I. sucht in seiner Lust zu Zugeständnissen und zu deren theoretischer Rechtfertigung auch hier ein Stück darüber hinauszugehn. Er meint, Jude, Christ und Muselmann sähen nach Jerusalem auch gegenwärtig als auf die Wiege der Religion hin und seien nicht Willens, es als eine gleichgültige Stadt zu betrachten. Darum werden wir, meint er, nicht blos sein gedenken im Gebete, sondern auch ״wir werden vom Herrn erbitten, daß er es aus dem traurigen Zustande erhebe, in dem es sich befindet, so daß auch die Gebete um seine Wiedererstehung aus jammervoller Lage unverfänglich sind". Hier scheiden sich unsere Wege. Uns ist — ich spreche mit gleichem Rechte im Namen der Mehrheit wie Hr. Dr. I. — das heutige Jerusalem nicht die Wiege der Religion, es ist uns eine durchaus gleichgültige Stadt, es ist Nichts weiter als eine ehrwürdige Ruine, wie eine verfallene Ritterburg, wie das heutige Athen uns durchaus nicht das alte von geistigem Glanze umflossene ist. Wir bedauern, daß die Stadt so tief gesunken, ihre Bewohner in tiefem Elende leben, aber wir bedauern weit mehr die vielen Hunderttausende von Glaubensgenossen im Osten Europas, deren reiche Fähigkeiten unter dem Drucke, der Armuth und dem Mangel an aller Gelegenheit zu freier Menschenbildung verkümmern. Wir bedauern sie umsomehr, weil hier wirklich höchst begabte strebsame Naturen, die sich zur Freude, der Welt zum Nutzen wirken könnten, untergehen, wir können uns zur Fürbitte für sie angeregt fühlen, weil wir von der Zukunft doch eine Besserung ihrer Lage zu ihrem und unserm Heile erwarten dürfen, weil wir uns auch selbst zu thatkräftiger und fruchtreicher Hülfe auffordern. Das Bedauern hingegen um Jerusalem und um das Elend seiner Bewohner ist eitel, eine bloße romantische Phrase. Das ist das unentrinnbare Verhängniß solcher Stätten, die im verblichenen Glanze alter Heiligkeit sich sonnen, daß, so lange sie von diesem falschen Schimmer sich blenden lassen, solange sie nicht ein ganz neues nüchternes Dasein beginnen, sie sich und der Welt zur Last dahinsiechen. An diesen ״heiligen Gräbern" sammeln sich lediglich Faullenzer, Schwärmer und die Verehrer der Stupidität. Für sie zu beten ist vergeblich, eine תפלת טווא. Ja ein solches Gebet um einen neuen Glanz dieser Stätten ist ein wahrhafter Selbstmord, eine Gotteslästerung. Ihre Macht würde der Gesammtheit zum Verderben gereichen, sie würde immer zum anmaßlichen