Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 52 (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421006--1992-2423080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 I. Etwas über Glauben und Beten. die riesige Arbeit der Vergangenheit an, werden inne unserer eigenen Geringfügigkeit und stehn doch höher durch das Zusammenwirken der Vorzeit und unser eigenes Fortbauen darauf, und da wäre es eine sehr falsche Bescheidenheit, wenn wir uns immer zur Vergangenheit Herunterbücken wollten, um sie ja nicht zu beleidigen. Freilich ist auch unsere Anschauung, auch unser Ausdruck der Gottesverehrung unvollkommen; alles Menschliche ist der Vervollkommnung fähig und bedürftig. Findet eine spätere Zeit einen bessern Eultus als den durch das Gebet, so wird, so mag sie ihn einführen, sie wird, sie soll dann das Gebet, wenn es für sie — was uns freilich undenkbar ist — bedeutungslos geworden, nicht uns zu Liebe beibehalten. Das würde keine Anerkennung unserer Zeit sein, wenn man das in ihr Geltende aus Rücksicht auf sie auch dann in der Erinnerung hegen müßte, wenn es sich auch ganz überlebt haben sollte; wohl aber wird es unser Ruhm sein, wenn die über uns hinausgeschrittene Zukunft von uns anerkennen muß, daß wir ihr wacker, ohne Aengstlichkeit und Schwächlichkeit vorgearbeitet, ihr das Gestrüppe hinweggeräumt und ihr so die Wege gebahnt haben. So erkennen wir auch die großen Propheten an, die uns vor der Uebermacht des Priester- und Opferprunkes beschützt, die Pharisäer, welche den Hochmuth einer hierarchischen Aristokratie gezügelt, die Lehrer, die uns vor Verdumpfung bewahrt, die Denker, die uns die geistige Freiheit errungen haben, rühmen uns der Innigkeit und Reinheit unseres Familienlebens als eines Erbes der Väter. Aber wir müßten auch dazu noch all des glücklich Ueberwundenen gedenken, um die Bande mit der Vergangenheit nicht zu lockern? Solche erkünstelte Verbindungen führen nur gerade zum Gegentheile, zur Ablösung und Verwerfung. Jerusalem. Verlassen wir nun endlich die Opfer und kehren wir nunmehr in Jerusalem ein! Von ihm kann ich nur wiederholen, was ich vor fünfzehn Jahren in dem Vorworte zu meinem Gebetbuche gesagt habe: ״Jerusalem und Zion sind die Orte, von denen die Lehre ausgegangen, an welche sich heilige Erinnerungen knüpfen, sie sind aber im Ganzen mehr als eine geistige Idee, als die Pflanzstätte des Gottesreiches, zu feiern, denn als eine gewisse Erdgegend, an welche sich etwa besonders die Vorsehung Gottes für alle Zeiten knüpfte". Danach sind auch die Aenderungen in meinem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.