Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und, Trutz. 51 legten. Die Erzählung von diesen Vorgängen dient vielmehr blos zur nothwendigen Einleitung, zu Uebergängen von einem Theile zum andern in dem dreigetheilten Stücke und zum Abschlüsse. Und diese Uebergänge gehen wirklich in der Fluth aller andern mit größter Zungenvolubilität in der alten Synagoge gesprochenen Piutim unter. Wenn ich in meiner Bearbeitung des Gebetbuches wirklich ״besondern Fleiß" auf die Darstellung verwendete, so kann ich den nur darin erkennen, daß ich die Erwähnung des Opferdienstes auf das Allernothdürftigste einschränkte, die Priester nicht als Opferer, sondern als ״Muster und leuchtende Vorbilder" vorführte, ״daß ihre Lippen Erkenntniß wahrten, Dein Volk aus ihrem Munde die Lehre verlangte, weil sie in Frieden und Geradheit vor Dir wandelten und Viele vom Wege der Sünde zurückführten", daß, während ich über die Opfer möglichst flüchtig hinweggehe, ich das schöne Gebet des Hohenpriesters vollständig aufnehme. Also auch der mit sich in Widerspruch getretene Geiger existirt nicht, und so bleibe ich dabei, daß es sinnlos ist, die Erwähnung der Opfer im Gebete beizubehalten, indem diese Erinnerung durchaus ״kein religiöses Moment mehr bietet". Hr. vr. I. meint zwar, das könne blos von dagewesenen Mißbräuchen gesagt werden, und man werde doch nicht den ganzen offlciellen Cult des Judenthums bis zur Tcmpelzerstörung als ״Mißbrauch" auffafsen wollen. Freilich etwas als einen Mißbrauch auch für die Vergangenheit zu bezeichnen, in deren ganz andere Anschauungen wir uns nur mühsam hineindenken, deren ganz abweichende Verhältnisse wir nicht genügend überschauen, bleibt immerhin sehr bedenklich, und ich habe diesen Ausdruck nicht gebraucht. Aber was für unsere Vorstellungsweise Werth-, inhaltlos, ja abstoßend ist, das bietet, trotz allen aufgewendeten Künsten, für uns kein religiöses Moment, da nützt keine Vermittelung des Predigers. Hätte das Judenthum keinen gegenwärtigen Inhalt, keine edlere Erinnerung an die Vergangenheit als etwa den Gottesdienst mit thierischen Opfern, dann hätte wirklich seine letzte Stunde geschlagen. — Das moderne Bewußtsein, belehrt Hr. vr. I., solle sich nicht so gewaltig überheben über das antike, jede Cultusform, auch das Gebet, sei eine unvollkommene. Wer überhebt sich denn? Wir sind, nach dem Ausdrucke Asariah de Rossi's, der Zwerg, der auf dem Riesen steht, und derselbe schaut trotz seiner Zwerghaftigkeit dennoch weiter als der ihn tragende Niese, weil er eben höher steht. So erkennen wir auch 4*