Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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50 1. Etwas über Glauben und Beten. Jahre seiner Amtswirksamkeit als mein Amtsnachfolger, dieselbe Synagage besuchend, sich desselben Gebetbuches bedienend, vollkommen genau wissen; ja, er würde gar keine Lanze für die Beibehaltung der Erwähnung, daß einst Opfer dargebracht worden, eingelegt haben, wenn er nicht von dem Verlangen geleitet würde, das von mir redigirte Gebetbuch in diesem Punkte nach rückwärts umzugestalten. Dennoch verschweigt er dies, ja behauptet, seine Principien seien in meinem Gebetbuche anerkannt, weil er eine einzige Stelle aufgefunden, die diesen homogen zu sein scheint. Ich habe nämlich in diesem Gebetbuche ״die feierlichen Handlungen des Hohen- Priesters (am Versöhnungstage), die doch wesentlich auf Opferkult zurückgehn, mit besonderm Fleiße dem Verständniß der Betenden näher gebracht.^ Hier ist'die Thatsache an sich richtig, aber die Darstellung so schielend, daß sie das ganze Sachverhältniß verwirrt. Zuvörderst ist diese Stelle in unserm ganzen Rituale die einzige wirkliche Geschichtserzählung, nicht bloße Erwähnung des durch den Hohenpriester vollzogenen Dienstes während des zweiten Tempels, und eine solche verdient eine andere Behandlung, hat einen andern Werth als das wiederholte Einstreuen der Erwähnung von den ehemaligen Opfern, das sinnlos ist, wenn sich nicht die Bitte um deren einstige Wiederherstellung daran knüpft. Dann aber erlangt diese Erzählung ihre Bedeutung in dem Bekenntnisse und der Fürbitte, welche dreifach von dem Hohenpriester zuerst für sich, dann für seinen Stamm und endlich für das ganze Israel ausgesprochen wurden, woran die weitere Erzählung sich schließt von der Kniebeugung des ganzen Volkes und dem Lobpreise Gottes,, welche Feier der Selbstdemüthigung und der Erhebung Gottes bei dieser Erwähnung auch gegenwärtig in gleicher Weise vollzogen wird. Dieses bildet den Mittel- und Kernpunkt der ganzen Erinnerung an die Vergangenheit, weil sie eben damit aufhört blos eine solche zu sein, sondern lebendig in der Gegenwart erneuert wird. Dieses Stück also, Bekenntniß, Fürbitte, Kniebeugung, Lobpreis bildet den Mittelpunkt, nicht die feierlichen ״Handlungen" des Hohenpriesters, ״die wesentlich auf Opferkult zurückgehen", nicht die Schaustellung eines reichen Opfergepränges, des priesterlichen Kleiderprunkes, der eleganten Geschäftigkeit des Hohenpriesters, worauf allerdings die stolzen, gebietenden Hohenpriester des zweiten Tempels den Hauptnachdruck