Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz uud Trutz. 47 das Werk doch ganz vollbringen zu können. Was will man also mit solchen Instanzen erreichen? ' Hier ist sehr zu unterscheiden, dürste Wohl Hr. vr. I. entgegnen. Die Juden der alten Zeit ließen sich wohl von alten Gewohnheiten, von der Verderbniß ihrer Umgebung verführen, so daß dieser falsche Cultus auch als der officielle erscheint; aber das Judenthum hat sich dagegen mit aller Macht aufgelehnt durch den Mund seiner Propheten. Nur die thierischen Opfer blieben unangefochten auch von diesen Gottesmännern. ״Ihr heiliger Zorn trifft keinerlei Cultus form als solche, die sie etwa als unwürdig bezeichnen, um an deren Stelle edlere, reinere gottesdienstliche Formen zu setzen .. . Ihr Zorn und ihr strafendes Wort trifft beständig und überall den Gegensatz von Cultus und Leben. Man kann den Sinn ihrer Reden etwa folgendermaßen zusammenfassen: ״Statt Gott zu dienen, treibt Ihr Gottesdienst, statt ethisch heilig zu sein, seid Ihr cultisch heilig, statt auf die Gebote Gewicht zu legen, die das Leben, das gewöhnliche, alltägliche Leben in einen Gottesdienst verwandeln, sprecht Ihr: Tempel Gottes, Tempel Gottes, und vergesset, daß auch außerhalb des Tempels Forderungen an Euch gestellt sind, und daß gerade diese zu erfüllen die Hauptaufgabe des Lebens ist" u. s. w. (S. 26). Ein jedes Wort ist hier entweder von Mangel an Verständniß des prophetischen Geistes und Buchstabens oder von der Sophistik dictirt. ״Der Propheten heiliger Zorn trifft keinerlei Cultus form"; wirklich nicht? Und was ist ihr Kampf gegen das Kinderverbrennen, um Gott ein wohlgefälliges Opfer zu bringen, gegen die Anfertigung von Götzenbildern u. dgl., was ist es anders als Zorn gegen den falschen Cultus? ״Ihr Zorn trifft beständig den Gegensatz von Cultus und Leben." Aber diesen Gegensatz kennen die Pro- Pheten gar nicht, wie er überhaupt der wahren Frömmigkeit gänzlich fremd ist. Cultus und Leben sind ihnen und müssen der wahren Frömmigkeit sein der volle Ausdruck der frommen sittlichen Gesinnung. Die Abgränzung zwischen ihnen, wo man das Leben dem Belieben anheimstellt und blos den Cultus überwacht, wo man sagt: thut was ihr wollt, aber betet wie es im herkömmlichen Gebetbuche steht, dieses prächtige Product von Frömmigkeit bleibt das Verdienst der Vermittelungstheologie; aber auch umgekehrt haben die Propheten nicht etwa den Cultus dahingestellt sein lassen und lediglich das Leben in's Auge gefaßt. Sie.haben die ge-