Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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46 I. Etwas über Glauben und Beten. nur um die ausgehülste Schale erhebt sie noch einen überflüssigen frommen Lärm. Denn was kümmert es uns am Ende, ob unsere Vorfahren zahlreiche thierische Opfer dargebracht haben und sich dabei beruhigt hatten, damit ihre fromme Empfindung ausgedrückt zu haben glaubten? Das ist keine ״Erfüllung mit der ganzen geschichtlichen Vergangenheit", wenn Alles, was ehedem gewesen, das aber nun nicht mehr Statt finden kann, nie mehr wieder in's Leben treten wird, in aller Breite hererzählt wird; wir erfüllen uns mit der Vergangenheit, wenn sie lebendig, tief nachwirkend ist, wenn wir die großen Thatsachen der Vorzeit, die noch heute in ihren Folgen mächtig sind, uns vor die Seele führen, Thatsachen wie den Eintritt Israels in die Weltgeschichte, seinen Auszug aus Aegypten, den wunderbar in ihm erstandenen Glauben an den einzigen Gott, den Kampf, den es seit Jahrtausenden um seine edelsten Güter beharrlich führt, seinen Bestand unter dem härtesten Drucke, sein hohes muthiges Vertrauen bei allen Widerwärtigkeiten u. dgl. Aber wahrlich wir erfüllen uns nicht mit der Vergangenheit, wenn wir abgestorbene Formen hererzählen, an denen wir durchaus keine Theilnahme mehr empfinden können, von denen sich vielmehr unser ganzes religiöses und ästhetisches Gefühl mit Widerwillen abwendet, mögen auch unsere Vorfahren ihre frommen Empfindungen in diesen für uns unzureichenden Ausdruck versenkt haben. Unsere Vorfahren, aber auch sie lediglich im Einklänge mit der ganzen alten Zeit, mit allen alten Völkern, die vor ihnen und mit ihnen Hekatomben opferten, gerade ebenso wie sie lange Jahrhunderte hindurch für ihre Frömmigkeit einen adäquaten Ausdruck fanden in dem Opfern ihrer Kinder, von dem sie allen Abmahnungen zum Trotze nicht lassen wollten, wie sie nach allen durch die Könige in Juda vorgenommenen Reformen doch die Höhenopfer nicht aufgaben, wie sie einem innern Bedürfnisse genügten, wenn sie den Moloch, den Baal und wie alle die Culte hießen, verehrten, wenn sie goldene Kälber anbeteten u. dgl. mehr. Consequent müßte man daher auch dieses Alles im heutigen Gebete aufzählen, um sich von der Vergangenheit zu erfüllen, um nicht ״den ganzen officiellen Cult des Judenthums bis zur Tempelzerstörung als einen Mißbrauch aufzufassen." Denn gerade der officielle Cultus war dies unter den israelitischen und den judäischen Königen, und nur einige wenige unter den letzteren traten mit Zwangsmaßregeln dagegen ein, ohne