Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz »ud Trutz. 45 Behauptung, mit dem Aufgeben des Gebetes für die Wiederherstellung der Opfer hinweg über alle Vorschriften im Leviticus und in Numeri, welche die Opfergesetze für ewige Zeiten, für alle Geschlechter geben, von ihnen allen Gottesdienst, jede Möglichkeit eines Tempelbesuches abhängig machen. Man tritt in vollen Widerspruch zu denjenigen, namentlich exilischen Propheten und Psalmdichtern, welche, insofern sie das Opfer überhaupt hochstellen, auch seine Wiederherstellung ersehnen und erflehen. Am Tage da Gott erscheint, sagt Maleachi (3, 2— 4), wird er die Söhne Levi's läutern, sie werden dann rechte Darbringer der Opfergabe sein, und ange-- nehm wird Gotte sein die Opfergabe Juda's und Jerusalem's wie in den Tagen der Vorzeit uud wie in den früheren Jahren." Der (offenbar exilisch hinzugefügte) Schluß von Ps. 51 lautet: ״Stelle wieder her mit deinem Wohlwollen Zion, mögest du erbauen die Mauern Jerusalems; dann wirst du begehren gerechte Opfer, Brandopfer und Ganzopfer, dann werden auf deinen Altar Stiere gebracht werden." Diese und viele andere Stellen sprechen mit einer Deutlichkeit, die über den Glauben und die Hoffnung dieser Geister keinen Zweifel auskommen läßt. Das ״moderne Bewußtsein" erhebt sich ferner mit seinem ״Proteste" geradezu gegen das ganze thalmudische Judenthum, das lediglich in der Vorstellung begründet ist, die Zeit von der Zerstörung des Tempels an sei eine Durchgangs- und Prüfungszeit, die im Vertrauen auf die recht bald eintretende, die alte Zeit wieder in ihre Rechte einsetzende Zukunft muthig ertragen werden müsse, aber auch mit der vollen Verpflichtung, alle die alten Vorstellungen, wenn sie auch gegenwärtig nicht ausführbar sind, auf's Sorgsamste zu hegen. Wird dieser Gedanke aufgegeben, so stürzt das thalmudische Judenthum zusammen. Ihm gemäß aber hat der bis vor einigen Jahrzehnten unangetastet bestehende Gottesdienst Hoffnung und Sehnen nach der Wiederherstellung des Opfercultus auf's Lebhafteste und in unerschöpflicher Wiederholung ausgedrückt. Dennoch soll nun, darf nun dieser Ausdruck gänzlich fallen, weil ״das moderne Bewußtsein ihn sich nicht anzueignen weiß." Darf wirklich? Nun, ich überlaffe den Protest dagegen den Orthodoxen, den Gesetzestreuen, denen so unter der Hand ihre höchsten Güter entschlüpfen sollen, ihre ganze Grundläge wegescamotirt werden soll. Ich überlasse es gern der conservativen Frömmigkeit, sich den Widerspruch, in den sie sich selbst versetzt, zu verinitteln. Genug, sie hat den Kern aufgegeben, und