Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 43 dienst einrichten, Thaten als Gott wohlgefällige vollziehen. Ist es, so spitzte eine andere Religion diesen Glauben zu, ein Verdienst vor Gott, ihm das eigene Kind zu opfern, ihn dadurch zu versöhnen: so ist es der Ausdruck der unerschöpflichen Liebe und Gnade Gottes gegen die Menschheit, wenn er selbst zu ihrer Sühne den eigenen Sohn darbringt. Hier ist ein scharf unterscheidendes Dogma des Judenthums, die Unstatthaftigkeit des Menschenopfers, das auch Abraham nicht als Verdienst angerechnet werden kann, und das ist für Hrn. vr. I. nur so eine Privatstudie eines alleinstehenden Theologen? Eine solche Studie nun, wenn auch deren' Resultat klar und tief im Geiste der Judenheit lebt, kann nicht die Folge haben, daß das Gebetbuch umgewandelt werde. Wir müssen immer weiter beten: ״Es möge von dir, o Gott darauf hingeblickt werden, wie unser Vater Abraham seinen Sohn Isaak gebunden und sein Erbarmen bewältigt hat, um deinen Willen mit vollem Herzen zu thun, also möge auch dein Erbarmen deinen Zorn über uns bewältigen.... So gedenke heute das Binden Isaaks seinen Nachkommen in Barm- Herzigkeit!" Wir müssen, da weder gelehrte noch ungelehrte Körperschäften bis jetzt noch sich darüber ausgesprochen haben, ob es jüdisch ist, sich Gott als Moloch vorzustellen, da die Ersteren aus Klugheit, die Letzteren ausMangel an Gelegenheit ein solches Endurtheil nicht abgegeben, diesen ״Gräuel Gottes" ruhig weiter beten, bis — nun ״bis zum Ende der Dinge". Ja noch mehr! Es muß diese herrliche Formel auch in ein Gebetbuch, das sie nun schon fünfzehn Jahre beseitigt hat, ohne daß der geringste'Miderspruch sich dagegen erhoben, jetzt wieder ganz leise eingeführt werden. Man spricht nicht davon, mit einem Male prangt sie wieder darin, die Anbeter des Moloch reiben sich vergnügt die Hände, die Freisinnigen, nun, die verstehen das Hebräische nicht, in der Uebersetzung wird man den Satz vertuschen, und kommt ein Störefried, der darauf aufmerksam macht, so beschwichtigt man damit, eine neue Studie könne nicht sogleich im Gebetbuche ihren Ausdruck finden. Man hat's erreicht und zwar durch kluges Schweigen! Freilich so klug waren unsere Gotteskämpfer nicht, sie hatten einen sittlichen Ekel vor solcher Klugheit und wir mit ihnen.