Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421006--1981-2423069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zu Schutz und Trutz. 41 Gesinnung, die er als die richtige hält und als solche zu begründen sucht, von der er in sich überzeugt ist, daß sie von allen ehrlich und klar Denkenden getheilt wird, auch im Gebete Ausdruck gegeben werde. Darüber werden sich nun die ״ungelehrten Körperschaften", die Gemeinden entscheiden, indem sie seine Vorschläge für den Gottesdienst aufnehmen; eine größere ausdrücklichere Zustimmung giebt es wahrlich nicht. Wenn nun die bisherige Breslauer große Synagoge das von mir, in Uebereinstimmung mit den aus der Gemeinde dazu Erwählten entworfene Gebetbuch vor mehr als fünfzehn Iahren eingeführt, die zahlreichen Besucher derselben in ihm während dieses Zeitraumes immer steigende Befriedigung gefunden haben; wenn Hr. Dr. I. selbst unter dem ausdrücklichen Versprechen seiner Zustimmung zu diesem Gebetbuche zum Rabbiner der Gemeinde gewählt worden, bei diesem Gottesdienste sich mehr als fünf Jahre beruhigt hat: giebt es eine eclatantere Zustimmung als diese Vorgänge? Ist hier nicht die Documentirung noch feierlicher, als eigentlich verlangt werden kann? Das versuchte Sohnesopfer. Freilich scheint Hrn. Dr. I. schweigend hinnehmen und mitmachen nicht als Anerkennung zu gelten, hingegen muß ihm schweigendes Weggehen über eine Frage die schärfste Widerlegung sein. So verschweigt er, was denn eigentlich die ״neue Studie" ist, die ein Einzelner gemacht und von der er sagt, sie habe nicht die Folge, ״daß das Gebetbuch umgewandelt werden müsse." Hr. vr. Wiener deutet a. a. O. die vorsichtig verhüllenden Worte offenbar richtig. Sie zielen auf nichts Anderes als auf meine Behauptung: der Versuch Abrahams, seinen Sohn zu opfern, sei eine Anwandlung gewesen, seine Frömmigkeit nach Art des herrschenden Molochdienst es zu beweisen, die hohe Bedeutung Abrahams bestehe aber gerade darin, daß an seinen Namen der große religiöse Fortschritt der Menschheit, die tiefere Erkenntniß des Judenthums sich knüpft, welche verkündet, daß Gott an einem Menschen-, einem Kindesopfer kein Wohlgefallen habe, sein wahres Verdienst werde gerade darin begründet, daß er das Opfer nicht dargebracht, die Versuchung dazu überwunden habe. Was sagt Hr. vr. I. dagegen? Nichts, aber auch nicht ein Wörtchen! Er bekämpft weder die Behauptung, noch adoptirt er sie. Allein wenn er auch die Discussion darüber vermeidet, so wird die Frage damit nicht todtgeschwiegen. Die ganze Thorah wird nicht todtgeschwiegen, ebensowenig sämmtliche Geschichts-