Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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38 I. Etwas über Glauben und Beten. stimmung gelehrter und, ich meine sogar, ungelehrter Körperschäften?" Wiederum eine wahrhaft heillose Verwirrung der Begriffe, schielende Behauptungen, unrichtige Angaben, seltsame Kampsesweise! Betrachten wir sogleich den ersten Satz. Es muß klar erfaßt werden, heißt es da, ״was sich eigentlich unvermittelt gegenübersteht." Soll dies heißen, untersucht müsse werden, in welchen Punkten die Vermittelung noch nicht vollzogen sei, so daß die Differenzen sich noch ״unvermittelt gegenüberstehen," so giebt es eigentlich kaum einen einzelnen Punkt, der wirklich bereits vermittelt sei. Diese Synagoge hat die eine Umgestaltung, jene eine andere vorgenommen, viele haben Alles beim Alten gelassen, so steht Alles ״unvermittelt gegenüber". Und da die Cultusanordnungen auf Anschauungen beruhen, so beweist dies, daß auch diese trotz allen auftauchenden verschwommenen Mittelschattirungen gleichfalls noch unvermittelt sind. — Doch der Satz soll Wohl aussagen: es giebt Punkte, bei welchen eine Vermittelung leichter zu erlangen, die Einen den Anforderungen der Gegenwart, wenn auch mit Widerstreben, eher ein Zugeständniß machen, die Andern sich dafür gewinnen lasten, von der Strenge und vollen Consequenz ihrer Anforderungen abzugehen, sich bei einer theilweisen Berfriedigung derselben beruhigen, weil für beide Seiten die Frage nicht scharf principieller Natur ist. Hingegen giebt es andere Punkte, die innerlich einer Vermittelung widerstreben, weil sie auf ganz einander entgegengesetzten Grundanschauungen beruhen, weil sie das zum Ausdrucke bringen, was dem Einen eine unentbehrliche Wahrheitslehre, dem Andern ein voller Jrrthum, dem Einen eine beseligende Hoffnung, die er als Sehnsucht um deren baldige Verwirklichung auszudrücken das tiefste Verlangen haben muß, dem Andern eine Chimäre, ein gefährlicher Wahn u. s. w. ist. Daß Hr. vr. I. diesen letzteren Sinn mit seinen Worten ״unvermittelt gegenüberstehen" verbindet, geht aus der ganzen folgenden Erörterung hervor, namentlich auch aus den Worten, welche sich unmittelbar anschließen, aus der Anführung einer Ansicht nämlich, welche jüngst ״ein bedeutender Theologe" ausgesprochen habe. Ich würde nun nicht so vermessen sein zu glauben, daß Hr. vr. I. von mir als von einem bedeutenden Theologen spreche; allein mir ist kein Anderer bekannt geworden, der in neuester Zeit etwas Aehnliches gesagt hätte, wie das was in dessen Namen an-