Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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34 1. Etwas über Glauben und Beten ganz nach Belieben laut erheben möge oder ein Jeder leise bete, ob der Lulab nach allen sechs Seiten mit Macht geschüttelt werden müsse oder nur leicht und elegant bewegt werde, ob die Hoschana mit möglichem Geräusch abgeschlagen werden müsse oder nicht, und eine Masse ähnlicher, theils wichtiger, theils unwichtiger, hier entschiedener, dort noch in der Schwebe befindlicher Cultusfragen — sie alle wären der Art, daß ihnen dogmatische Fragen vorangegangen sein müßten? Herr Dr. I. hat früher selbst, bei aller Lust, durch Feststellung von Dogmen dem Glaubensbestande einen sichern Halt zu gebm, nur sehr wenigen Glaubensvorstellungen den dogmatischen Charakter eingeräumt, auch diese durch die gestattete Verschiedenheit in der Auffassung abgeschwächt, bei andern durch die bewegte Geschichte, die er bei ihnen anerkennen muß, die Unantastbarkeit gänzlich verwischt; wie kann demnach einer jeden Cultusfrage eine dogmalische vorangehend Ja, Hr. Dr. I. giebt nicht minder zu, daß von der großen Anzahl hervortretender Cultusfragen eigentlich zwei blos principieller Natur sind, und dennoch wird einleitend allen ein solch bedeutsamer Inhalt gegeben, daß ihnen dogmatische Fragen vorangegangen sein müssen. Das wäre unbegreisiich, wenn man nicht dem ganzen Schriftchen es anfühlte, daß einige Fragen, die allerdings wichtigerer Art sind, Hrn. Dr. I. besonders quälen, daß er dieselben deßhalb gern wegschaffen, ganz aus der Discussion Hinausweisen oder doch so abschwächen möchte, daß die principielle Erörterung umgangen werden könne. Sie schweben ihm immer beunruhigend vor, gegen sie kämpft er nicht blos wo er sie ausdrücklich nennt, sondern wegen ihrer thürmt er eine Anzahl von einleitenden Fragen auf, umzäunt er sich nach allen Seiten und er glaubt, daß es ihm dadurch gelingen werde, die eine ganz mit Stillschweigen zu übergehen, andere mit flüchtiger Berührung zu beseitigen. Allein dadurch vergreift er sich in' seiner Grundlegung auf's Schlimmste. Hr. Dr. I. begnügt sich nicht einmal damit, daß den Cultusfragen dogmatische Fragen vorangegangen seien, ״sondern genau genommen, schon dogmatische Lösungen." Diese etwas ungeheuerliche Behauptung will nun etwa nicht sagen, daß ein Jeder, der eine Aenderung, eine Verbesserung im Cultus verlangt, mit sich zuvor über den Grund im Reinen sein muß, weßhalb er dieses Verlangen stellt, daß er einen Gedanken in sich trage, den er im Cultus zum Ausdrucke bringen will; das wäre selbstverständlich. Nein sie stellt die hochverwunderliche, wahr-