Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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32 I. Etwas über Glauben -und Beten. kauft, einen Frieden erkauft, wo gar kein Streit ist: nun, so thue sie es! Wer hat ein Recht, darein zu sprechen? Es wird an den traurigen Folgen nicht fehlen; die Ansprüche von der Seite, der man seine Errungenschaften so gleichgültig preisgiebt, werden sich maßlos steigern, die Gleichgültigkeit wird glänzende Triumphe feiern: je nun, das ist ihre Sache. Aber sie wolle diesen Handel, bei dem man sich gegenseitig etwas abzudingen sucht, nicht zur Bedeutung einer allgemeinen Frage erheben. Was hat die lange ausgesponnene Erörterung über Dogmen, über solche, die unzweifelhaft, und andere, die eine bewegtere Geschichte haben, über den abzuwägenden Glaubensbestand und die drohende wirkliche confefsionelle Spaltung, was haben diese und andere weitgreifende Fragen mit der untergeordneten Frage über die Einrichtung des Gottesdienstes in einer einzelnen Gemeinde zu thun, mit der Art des dort einzugehenden Compromisses? Denn auf diesen läuft es am Ende doch hinaus, und da zeigt sich, daß was hier, an dem einzelnen Orte, als ernstlicher Erwägung würdig erscheint, anderswo längst durchgedrungen, beseitigt ist, und umgekehrt, was hier als selbstverständlich, als unerheblich auf nur geringen Widerspruch stoßen mag, anderswo zu ernsten Differenzen führen könnte, also lediglich Transactionen nach localen Strömungen, die durch ganz Anderes bedingt sind, als durch klar erkannte Principien, ja die oft ganz unberechenbar sind. Jedoch Hr. Dr. I. möchte Alles auf die Höhe einer theoretischen Berechtigung erheben, und wir gewahren an einzelnen Beispielen, wie er die fernliegendsten Dinge herbeiziehen zu dürfen glaubt, uw irgend eine künstliche Grundlage zu schaffen für Dinge, die an sich aller wahren Begründung entbehren. Deßhalb schickt er auch jetzt, nach bereits vorangegangener theoretischer Einleitung und nachdem nun das Eingehen in's Spezielle und Einzelne als nothwendig erkannt wird, um zu einer Beantwortung seiner Frage zu gelangen, dennoch nochmals ״Allgemeines" voraus; uns kann dies nur erwünscht sein, da wir es weniger mit dem nothdürf- Ligen Flicken der einzelnen Risse zu thun haben, als mit den berechtigten Anforderungen nach den Anschauungen der Gegenwart. Folgen wir daher Hrn. Dr. I. auch in dieser seiner Darlegung. ״C ul Lus fragen," sagt Hr. Dr. I., ״sind immer nur sekundärer Art. Wo Cultusfragen vorliegen, da müssen ihnen dogmatische Fragen vorangegangen sein, und nicht blos dogmatische Fragen,