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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 31

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 31 (sequence 34)
Language
German
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Zu Schuh und Trutz. 31 meinden wird man sich eben durch gegenseitige Nachgiebigkeit vertragen, so gut es geht. Die freie Bewegung wird die getrennten Richtungen schon einander nähern; ein ernstlicher Zwiespalt ist nicht zu besorgen. Was diesen eine Zeit lang in Breslau heraufbeschworen — das muß Hr. Dr. I. wissen so gut wie ich, — war mit Nichten irgend eine Cultusfrage, das war die leidenschaftliche Rohheit, die neben sich keine Vertretung der Bildung in der Gemeinde dulden wollte, das war der Eifer, der einzelne einflußreiche Führer, weil sie von der Anmaßung der Gegenseite gereizt waren, fortriß, und die dann, wie um frühere Sünden zu sühnen, zu ebenso leidenschaftlichen Aposteln und Begründern der Vermittlungstheologie daselbst wurden. Hr. Dr. I. muß es wissen, daß mit dem ersten Augenblicke, da die volle Freiheit unter dem Schutze eines billigen Gesetzes, mit Un- Parteilichkeit ausgearbeiteter Statuten maßvoll Gerechtigkeit nach allen Seiten übend, in der Gemeinde ihren Sitz aufschlug, aller Zwiespalt wie mit einem Zauberschlag geschwunden ist, trotzdem daß gleichzeitig die Orthodoxie sich Machtbefugnisse erschlichen zu haben glaubte, trotzdem daß die Bermittelungstheologie stolz und siegestrunken, reich dotirt, ihren Einzug hielt, und trotzdem daß andererseits nun gerade das neue Gebetbuch erschien. Dieses ward ohne allen Widerspruch froh begrüßt, wurde von Jahr zu Jahr der Gemeinde immer mehr Werth, immer zahlreicher wurden die Schaaren, die sich um es, in dem auf ihm ruhenden Gotteshause dicht drängten. Das Gebetbuch war ein wahrhaftes Einigungssymbol für die überwiegende Zahl der Gemeinde, für die Heranwachsende Jugend, während denen, welche sich ihm nicht anschließen wollten, ihr Recht nicht verkümmert wurde, ihnen Synagogen genug verblieben, in welchen sie nach Herzenslust der alten Gewohnheit stöhnen konnten. Keine Spur von Zwiespalt! Nun will die dortige Gemeinde ein neues Gotteshaus errichten, das erste, welches aus Gemeinde- Mitteln gegründet und erhalten werden soll. Glaubt nun die große, immer wachsende, in jeder Beziehung entscheidende Anzahl derer, welche seit fünfzehn Jahren sich mit ihrem Gebetbuche, mit der daran sich knüpfenden Gottesdienstordnung innigst befreundet haben, glaubt sie ungestraft Rückschritte machen zu dürfen, das in ihr Erstorbene wieder zu künstlichem Leben erwecken zu müssen, aus ihrem Gemüthe längst Geschwundenes wieder in dasselbe gewaltsam eindrängen zu dürfen, glaubt sie Wohl daran zu thun, wenn sie mit dem Opfer der besten Überzeugungen einen haltlosen Frieden er-

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