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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 30

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 30 (sequence 33)
Language
German
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30 I. Etwas über Glauben und Beten. chan-Aruch - Vorschriften bis zum Haarscheitel der Frauen, bis zum Erubdrahte für den Sabbath u. dgl. herunter; hier liege die dringende Nöthigung zur Trennung. Also Zwiespalt war erzeugt worden, aber niemals um Cultusfragen willen, und wo diese dennoch die Veranlassung boten wie beim Hamburger Tempel, bei der Neformgenossenschaft, da war dieser Anlaß ein begierig ergriffener, um damit einen viel weiter vernichtenden Schlag zu führen. Die gesonderten Synagogen hatten keinen Anspruch gemacht auf Gewalt innerhalb der Gemeinde, sie wollten der Gesammtheit keinen Zwang anthun, sie wollten sich nur ein eigenes Dasein gründen, ihren Bedürfnissen genügen. Hier nun glaubte die Orthodoxie, bald auch die Halbheitstheologie, eine Handhabe zu gewinnen und mit dem Verbot gegen den Ausdruck im Cultus die ganze Richtung niederzuschlagen. Den Kampf in allen übrigen Gebieten haben sie so gut wie aufgegeben, sie betteln nur noch an den Thüren der Gotteshäuser, verlegen dorthin den Tummelplatz widerwärtiger Zänkereien, gerade wie früher solche in den einzelnen Gemeinden entstanden um die Anstellung eines Schochet, eines Chasan. Denn die gegenwärtigen Cultusstreitigkeiten haben gar nicht diesen Charakter der Allgemeinheit wie die auf andern Gebieten ehedem; diese betrafen Prinzipien, die mit aller Energie neu erstanden, literarisch Propaganda machten und so die ganze Judenheit zur Betheiligung, zur Entscheidung wach riefen. So breitete sich der Streit bald über weite Länderstrecken aus; Spanien, Provence, Frankreich, Italien hatten die Waffen für oder gegen die Philosophie, Türkei, Polen, Italien, Deutschland, Holland für oder gegen die Kabbalah ergriffen. Die heutigen Zerwürfnisse über den Cultus sind auf den engen Kreis der einzelnen Gemeinde beschränkt, treten kaum aus deren Weichbilde heraus; die Gemeinden sind eben meist in ihrer Selbstbestimmung nicht gehemmt und eine jede einzelne hat sich in der Ordnung dieser ihrer inneren Angelegenheit nur nach ihren eigenen Bestandtheilen, nicht nach allgemein zu treffenden Entscheidungen, zu richten. Da hängt es nur von dem Bildungsgrade der überwiegenden Mehrheit, von dem Einflüsse und der Hartnäckigkeit Einzelner ab, wie die Frage zum Austrage kommt. In größeren Gemeinden wird das Vorhandensein oder die Herstellung mehrerer Synagogen die leichteste Auskunft bieten; da können verschiedene Richtungen am Einfachsten ohne irgend ein Zerwürfniß ihren Ausdruck finden. In kleineren Ge-

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